Punkt zwölf Uhr am Samstag hat Dominik Krause im Schottenhamel-Zelt auf der Theresienwiese das erste Fass angezapft. Der Grünen-Politiker brauchte zwei Schläge und rief anschließend die traditionelle Formel „O'zapft is! Auf eine friedliche Wiesn!“ ins Zelt. Damit ist das 191. Oktoberfest eröffnet, das bis zum 4. Oktober läuft und rund sechs Millionen Besucher erwartet.
Es war Krauses erster Anstich als Oberbürgermeister. Der 36-Jährige hatte das Amt im Mai von Dieter Reiter (SPD) übernommen und ist der erste Grüne an der Spitze der bayerischen Landeshauptstadt. Nach altem Brauch reichte Krause die erste Mass an Ministerpräsident Markus Söder (CSU), zwölf Böllerschüsse an der Bavaria gaben den übrigen Zelten das Signal zum Ausschank.
Die Reaktion im Zelt fiel gemischt aus. Ein Teil der Gäste buhte, als Krause ans Fass trat, die Mehrheit applaudierte. Auch Söder wurde bei seinem Auftritt vereinzelt ausgebuht, wenn auch weniger deutlich. „Zwei Bier habe ich gestern Abend getrunken, wunderbar geschlafen. Am Morgen ist die Aufregung dann gestiegen“, sagte Krause vor dem Schlag. Nach dem Anstich lobte Söder die Performance: „Das war heute einfach perfekt.“ Krauses Partner Sebastian Müller sagte anschließend: „Es hat alles wunderbar geklappt, ich bin überglücklich.“ Damit reihte sich Krause in die Statistik seines Vorgängers ein: Reiter benötigte in der Regel ebenfalls zwei Schläge.
Zwei Bier habe ich gestern Abend getrunken, wunderbar geschlafen. Am Morgen ist die Aufregung dann gestiegen.
Krause hatte den Anstich vorab in einer Brauerei geübt und im Vorfeld auf Söders Erfahrungswerte verwiesen. „Der Ministerpräsident hat mir gerade nochmal erzählt, was alles schiefgehen kann. Das hat mich total beruhigt“, scherzte er im Zelt. Neben ihm nahm erstmals Sina Hochreiter als Münchner Kindl auf dem zweiten Fass Platz. Beobachter werteten den Zwei-Schläge-Anstich als solides Debüt, das Krause als Zugereister und Nicht-Trachtenprofi Kritikern in den Bierzelten den Wind aus den Segeln nehmen dürfte.
Höhere Preise, angespannter Etat
Die Wiesn 2026 startet mit spürbar höheren Preisen für die Mass, der Anstich fällt zudem in eine Phase, in der die Stadt einen straffen Haushalt fährt. Krause hatte in seinen ersten hundert Tagen im Amt Schwerpunkte auf Wohnungsbau, Verwaltungsdigitalisierung und die Rückkehr der Eisbachwelle gelegt. Politisch begleitet ihn der Streit über Münchens Olympia-Bewerbung, in der Krause und Söder nach eigenen Worten eng zusammenarbeiten. Am Nachmittag zog der grüne Oberbürgermeister durch weitere Zelte, die Wiesn 2026 läuft bis zum 4. Oktober.