In Oberstdorf beginnt am Freitagabend das Festwochenende zum 125-jährigen Bestehen des Gebirgstrachten- und Heimatschutzvereins. Vom 21. bis 23. August verwandelt sich das Festzelt am Oybele in einen Treffpunkt für Trachten- und Musikgruppen aus dem Allgäu, aus Österreich, der Schweiz und Frankreich. Höhepunkt ist am Sonntag der große Festumzug: Nach Angaben der Gemeinde Oberstdorf ziehen etwa 2500 Trachtler durch den Ort, Aufstellung ist ab 13 Uhr in der Hermann-von-Barth-Straße, Start des Umzugs um 13:30 Uhr.
Der Verein wurde 1901 von 90 Bürgern gegründet und ist mit mehr als 900 Mitgliedern nach eigenen Angaben Deutschlands größter Trachtenverein. Ein Festausschuss bereitet das Jubiläumsjahr seit Sommer 2024 in sieben Ressorts vor, darunter eine Sonderausstellung, die am Samstag im Heimatmuseum eröffnet wird. Am Freitagabend startet das Programm um 18 Uhr mit Fassanstich und Wertungsplatteln; für Samstagnachmittag ist von 15 bis 17 Uhr ein Trachtennachmittag im Kurpark angesetzt, für Sonntag ab 9:30 Uhr ein Festgottesdienst in der Pfarrkirche.
Der eigentliche Kulttanz, um den sich das Vereinsleben rankt, folgt später im Herbst. Der Wilde-Mändle-Tanz wird nach eigener Darstellung des Vereins nur alle fünf Jahre aufgeführt und in seiner heutigen Form ausschließlich in Oberstdorf gepflegt. Die 14 Tänzer stecken dabei in Gewändern aus „Tannenbart“, einer Moosflechte, die nur an Tannen und Fichten in Höhenlagen zwischen etwa 1400 und 1900 Metern wächst. Sichtbar bleiben, wie das Portal des Verschönerungsvereins Oberstdorf beschreibt, nur die Augen.
Der Wilde-Mändle-Tanz ist seit alters her in Oberstdorf heimisch und geht in seiner Überlieferung in die keltische Zeit zurück.
Die nächsten Aufführungen
Für die Saison 2026, mit der der Verein sein Jubiläum begeht, sind laut Vereinshomepage und Veranstaltungskalender der Gemeinde noch drei Aufführungen in der Oybele-Festhalle angekündigt: eine Nachmittagsvorstellung am 6. September um 14:30 Uhr, ein Abendtermin am 26. September sowie eine Aufführung am 10. Oktober. Der Tanz gliedert sich in 17 Szenen, die als Huldigungs- und Fruchtbarkeitstanz gelesen werden; begleitet werden die Männle traditionell von Musikkapelle und Trachtengruppen des Vereins.
Die Ursprünge liegen im Nebel. Der Trachtenverein datiert die überlieferte Form auf die Zeit vor 1648, als eine Pest laut lokaler Legende über 800 Menschen im Ort das Leben kostete. Als danach kein weiterer Toter zu beklagen war, wurde der Tanz demnach zum jährlichen und später zum fünfjährigen Ritual. Historisch abgesichert ist die Aufführungspraxis in Oberstdorf seit 1901, seit der Trachtenverein die Organisation übernahm.
Für das Festwochenende bittet die Gemeinde um frühzeitige Anreise. Zwischen den Ortsteilen Schöllang, Tiefenbach, Reichenbach, Rubi, Fischen und Obermaiselstein fahren bis 2 Uhr nachts kostenlose Späterbusse; der neue E-Bus der Gemeinde ist eingesetzt. Der Sonntagsumzug führt von der Hermann-von-Barth-Straße durch den Ort zurück zum Oybele - wer in Oberstdorf ist, wird ihm kaum ausweichen können.