Es ist die größte Drogensicherstellung in der Geschichte des JadeWeserPorts: Der Zoll hat am Containerterminal Wilhelmshaven mehr als acht Tonnen Kokain abgefangen. Die Beamten machten den Fund bereits am 9. Februar bei einer Röntgenkontrolle, gaben ihn aber erst am Dienstag öffentlich bekannt - aus „ermittlungstaktischen Gründen“, wie die Generalzolldirektion mitteilte. Den Straßenwert der Droge beziffern die Ermittler auf rund 500 Millionen Euro.

Versteckt waren die rund 400 Päckchen Kokain in einem Container, der laut Frachtpapieren 400 Säcke Kakaobohnen aus Sierra Leone transportierte. Bestimmungshafen sollte Barcelona sein. Statt die Sendung zu stoppen, ersetzten die Ermittler die Droge durch Sand und GPS-Tracker und ließen den präparierten Container weiterlaufen, wie das ZDFheute dokumentierte. Am 12. März lief das Schiff in Barcelona ein, dort wurde die Ladung in ein Lager in der Provinz Almería verbracht.

Die Falle in Almería

Zwei Monate harrten die spanischen Behörden aus, dann holten die mutmaßlichen Hintermänner die Sendung ab. Die spanische Zollpolizei Servicio de Vigilancia Aduanera nahm am 14. Mai bei der Übergabe in einem Industriegebiet bei El Ejido zwei Männer fest. Einer von ihnen ist Geschäftsführer einer Importfirma und war den Behörden bereits aus einem früheren Kokainverfahren bekannt. „Mehrere Monate sind von der Sicherstellung bis zur Festnahme der Haupttäter in Spanien vergangen“, sagte Tino Igelmann, Leiter des Zollkriminalamts, auf der Pressekonferenz in Bonn.

Wir wollten verhindern, dass die Organisierte Kriminalität wieder in den Besitz des Kokains gelangt.
- Monika Dennhart, Leiterin Zollfahndungsamt Hannover

„Wir wollten verhindern, dass die Organisierte Kriminalität wieder in den Besitz des Kokains gelangt“, erklärte Monika Dennhart, Leiterin des Zollfahndungsamts Hannover. Die Schmuggler hätten „die Hartnäckigkeit der Ermittlungsbehörden in Spanien und Deutschland unterschätzt“. Durch den Austausch der Ware sei zudem ausgeschlossen worden, dass das beschlagnahmte Kokain durch eine spätere gewaltsame Aktion zurückerlangt werden könne, ergänzte Oberstaatsanwalt Jan Wilken von der Staatsanwaltschaft Aurich, der das deutsche Verfahren führt.

Banden weichen an kleinere Seehäfen aus

Der Fund bestätigt, was Ermittler seit Monaten beobachten: Die Kartelle weichen von den klassischen Umschlagplätzen Hamburg, Bremerhaven und Rotterdam in kleinere Häfen aus. „Wir stellen Ausweichbewegungen auf kleinere und mittlere Seehäfen fest“, sagte Nils Gärtner, Leiter des Zollfahndungsamts Hamburg, dem Regionalmagazin buten un binnen. Niedersachsens Häfen Wilhelmshaven, Emden und Brake stünden besonders im Visier. Europol hatte zudem im Januar berichtet, dass Mutterschiff-Übergaben auf hoher See an kleine Kutter als zusätzliche Route an Bedeutung gewinnen.

Die Statistik untermauert den Druck auf die großen Häfen: 2023 stellten die Zollbehörden in Hamburg und Bremerhaven zusammen 14,4 Tonnen Kokain sicher, 2024 noch 9,2 Tonnen, im vergangenen Jahr nur noch 5,1 Tonnen. Der einzelne Fund von Wilhelmshaven übertrifft damit die gesamte deutsche Hafen-Bilanz des Vorjahres um mehr als das Anderthalbfache - und macht deutlich, in welcher Größenordnung lateinamerikanische und westafrikanische Netzwerke inzwischen über norddeutsche Terminals operieren. Das beschlagnahmte Kokain soll nach Abschluss der Verfahren vernichtet werden.