Zum ersten Mal seit Venus und Serena Williams 2009 spielen an diesem Samstag zwei Frauen aus demselben Land das Wimbledon-Finale. Um 17 Uhr Ortszeit betreten Karolína Muchová und Linda Nosková den Centre Court, beide aus Tschechien, beide zum ersten Mal in einem Wimbledon-Endspiel. Wer immer die Venus Rosewater Dish am Ende in die Höhe hält, ist erst die neunte Grand-Slam-Debütantin in der Open Era, die den Titel in London gewinnt.

Die als Nummer zehn gesetzte Muchová hatte am Donnerstag im Halbfinale die Amerikanerin Coco Gauff nach zwei Stunden 35 Minuten mit 6:2, 1:6, 7:6 (12:10) besiegt. Gauff hatte im Match-Tiebreak beim Stand von 9:8 einen Matchball auf dem eigenen Aufschlag, verzog ihn mit einem missglückten Stoppball. „So ein harter Kampf, es war eine Achterbahnfahrt“, sagte Muchová anschließend, wie die Sportschau berichtet. Für die 29-Jährige ist es das zweite Grand-Slam-Finale, nach der French-Open-Endniederlage 2023 gegen Iga Świątek.

Nosková, gesetzt an Position neun, gewann ihr Halbfinale gegen die Ukrainerin Marta Kostjuk in einer Stunde 21 Minuten mit 6:4, 6:4. Die 21-Jährige steht in Wimbledon in ihrem ersten großen Endspiel überhaupt. „Ich wollte so geduldig und ruhig wie möglich bleiben und einfach den letzten Punkt machen“, zitiert der ORF Nosková nach der Partie. Ihre Rasensaison hatte in Bad Homburg mit einem Halbfinaleinzug schon angedeutet, was in London jetzt möglich ist.

Doppel-Partnerinnen aus Paris

Muchová und Nosková kennen sich gut. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris traten sie gemeinsam im Damendoppel an, gewannen zwei Runden und schieden erst im Viertelfinale aus. „She's a great player, great person“, sagte Nosková über Muchová vor dem Finale, wie olympics.com berichtet. Auf dem Centre Court steht die Freundschaft an diesem Samstag hinten an, es geht um rund 3,5 Millionen Pfund Preisgeld und einen der prestigereichsten Titel im Frauentennis.

Hier im Finale zu stehen hört sich wirklich gut an. Das war so ein harter Kampf, es war eine Achterbahnfahrt.
- Karolína Muchová, ORF

Prager Serienmeisterinnen

Es ist das dritte Wimbledon-Endspiel innerhalb von vier Jahren, in dem eine Tschechin steht: 2023 gewann Markéta Vondroušová als erste ungesetzte Spielerin der Open Era, 2024 folgte Barbora Krejčíková. Insgesamt haben tschechische Spielerinnen den Titel fünfmal geholt, angefangen mit Jana Novotná 1998, dazu zwei Erfolge von Petra Kvitová (2011, 2014). Aktuell stehen acht Tschechinnen in den Top 50 der Weltrangliste, ein Anteil, den kein anderes Land außer den USA erreicht.

Nosková führt diese Dichte auf die Struktur zurück: „Wir haben sehr viele Tennisschulen“, sagte sie laut Sportschau, angesichts der zehneinhalb Millionen Einwohner Tschechiens ein bemerkenswerter Befund. Der tschechische Verband hat seit den Achtzigern kontinuierlich in Nachwuchsakademien investiert, das Netz an Trainingsstützpunkten gilt in Europa als engmaschig. Muchová und Nosková sind das Ergebnis dieser Arbeit, nur eine wird an diesem Samstag zur neunten tschechischen Wimbledon-Siegerin der Open Era.

Auf dem Weg ins Finale hatte Muchová drei Grand-Slam-Championinnen ausgeschaltet, die Landsfrau Krejčíková in drei Sätzen, danach Naomi Osaka und schließlich Gauff. Nosková musste in ihrer Hälfte ebenfalls hochkarätige Namen bezwingen, unter anderem die frühere French-Open-Halbfinalistin Elina Switolina. Direkt aufeinander getroffen sind die beiden auf der WTA-Tour bislang zweimal, jeweils gewann Muchová. Auf Rasen ist es das erste Duell.