Donnerstagabend, 21 Uhr deutscher Zeit, rollt der Ball im Aztekenstadion. Mexiko empfängt Südafrika zum Eröffnungsspiel der ersten Fußball-Weltmeisterschaft mit 48 Mannschaften - und Mexiko-Stadt steht unter Hochspannung. Die mexikanischen Behörden haben für den Eröffnungstag die zweithöchste Alarmstufe Orange ausgerufen, gewarnt wird vor Starkregen, Gewitter, Hagel und kräftigen Windböen, wie das Portal Fußballnationalmannschaft.net berichtet. Dass die FIFA den Anpfiff auf 13 Uhr Ortszeit gelegt hat, verschafft den Organisatoren ein Zeitfenster: Die typischen Unwetter setzen in der mexikanischen Hauptstadt erst am Nachmittag ein.
Auf dem Rasen treffen zwei Trainer aufeinander, die schon vor 40 Jahren bei einer Heim-WM in Mexiko gestanden haben - damals als Spieler beim 2:1 der „El Tri“ über Belgien am 3. Juni 1986. „Es ist ein Zufall, dass der Trainer Südafrikas damals ebenfalls dieses Spiel bestritten hat“, sagte Mexikos Cheftrainer Javier Aguirre auf der Pressekonferenz vor dem Auftakt. Aguirre, der das Nationalteam zum dritten Mal nach 2002 und 2010 betreut, ordnete die Bedeutung des Tages ein: „Es gibt nichts Schöneres, als in seiner Heimat zu spielen.“ Der Donnerstag werde, so der Trainer gegenüber der mexikanischen Presse, „ein historischer Tag“ für Mexiko.
Sportlich geht der Gastgeber mit Rückenwind in die Partie. In den vergangenen fünf Begegnungen blieb Mexiko ungeschlagen, drei Siegen folgten zwei Unentschieden. Aguirre setzt voraussichtlich auf ein 4-3-3 mit Torhüter Rangel hinter einer Viererkette aus Sanchez, Montes, Vasquez und Gallardo; im Sturm sollen Gutierrez, Jimenez und Quinones wirbeln. Südafrika unter Hugo Broos kommt mit Sorgen: Aus den letzten fünf Länderspielen sprang kein einziger Sieg heraus, zwei Unentschieden stehen zwei Niederlagen gegenüber. „Bafana Bafana“ wird in einem 4-2-3-1 antreten, mit Williams im Tor und dem Mittelstürmer Foster als Spitze.
Höhe, Trump und die Proteste
Die größte sportliche Hürde ist nicht das Wetter, sondern das Gelände: Das Aztekenstadion liegt auf 2.200 Metern über dem Meeresspiegel, höher als das Mile-High-Stadion in Denver. „Für viele Experten ist die Höhe sogar die größere Herausforderung als die Hitze, weil eine kurzfristige Akklimatisierung kaum möglich ist“, schreibt Fußballnationalmannschaft.net. Die FIFA hat für die gesamte WM verpflichtende Trinkpausen verordnet - eine dreiminütige Unterbrechung pro Halbzeit. Geleitet wird die Partie vom brasilianischen FIFA-Schiedsrichter Wilton Sampaio; für den 44-Jährigen ist es nach Katar 2022 die zweite Weltmeisterschaft.
Während die FIFA die WM als globales Friedensfest inszeniert - Präsident Gianni Infantino hatte US-Präsident Donald Trump bei der Auslosung im Dezember einen eigens kreierten „FIFA-Friedenspreis“ verliehen -, bleibt der wichtigste politische Gastgeber dem Auftakt fern. Trump verzichtet auf eine Reise nach Mexiko-Stadt; das Verhältnis zur mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum gilt als zerrüttet. In der Stadt selbst trüben Proteste die Festivalstimmung: Lehrkräfte und Landwirte haben Demonstrationen entlang der Anfahrtsrouten zum Stadion angekündigt. „Trump nutzt große Sportbühnen immer wieder gezielt für politische Inszenierungen“, heißt es in der ARD-Doku „Spielfeld der Macht“, die sich kurz vor Turnierbeginn mit der Politisierung der WM auseinandersetzt.
Die Welt zu Gast bei Feinden.
Im Stadion erwartet die rund 72.000 Zuschauer vor dem Anpfiff eine 90-minütige Eröffnungsfeier mit der Weltpremiere des offiziellen WM-Songs „Dai Dai“, den Shakira und Burna Boy live präsentieren. In Deutschland überträgt das ZDF die Partie ab 21 Uhr, parallel zeigt sie MagentaTV. Drei Tage später, am 14. Juni in Houston, startet auch das DFB-Team gegen WM-Debütant Curaçao in das Turnier - die deutsche Mannschaft bezog am Mittwoch ihr Quartier in Winston-Salem und absolvierte dort die erste komplette Trainingseinheit unter Bundestrainer Julian Nagelsmann.