Eine halbe Stunde lang hatte die FIFA am Donnerstag ihre größte Turnier-Inszenierung in den Himmel über Mexiko-Stadt geschossen: Shakira sang vor rund 80.000 Zuschauern im Aztekenstadion erstmals den offiziellen WM-Song „Dai Dai“ live, begleitet von mehr als 40 Tänzern, Andrea Bocelli trat mit der Sängerin Ejae auf, FIFA-Botschafterin Salma Hayek und FIFA-Präsident Gianni Infantino enthüllten gemeinsam einen meterhohen WM-Pokal. Wenige Kilometer nördlich, auf dem Zócalo, lief parallel etwas anderes ab: Tausende Fans drängten in die offizielle Fanmeile, Wasserflaschen flogen, ein Mitarbeiter griff zum Megafon. „Hört auf, zu drängeln und zu schubsen, hier sind Kinder, ihr benehmt euch wie Tiere“, rief er, wie der Tagesspiegel berichtet.
Im Stadion lief die Show unter dem Leitspruch „drei Nationen, eine Feier“. Den musikalischen Auftakt machte die mexikanische Rockband Maná mit ihrem Hit „Oye mi amor“, danach trat der venezolanische Popsänger Danny Ocean auf. Es folgten die südafrikanische R&B-Sängerin Tyla, der Kolumbianer J Balvin und die mexikanische Pop-Künstlerin Belinda; auch die Cumbia-Veteranen Los Ángeles Azules und die Folk-Sängerin Lila Downs hatten Auftritte. Höhepunkt war Shakiras Performance von „Dai Dai“ gemeinsam mit dem nigerianischen Afrobeats-Star Burna Boy. Über 300 Darsteller waren an der Choreografie beteiligt, das Bühnenbild war laut Sportschau „stilecht aztekisch“ konzipiert, drei Priesterfiguren tanzten in den mexikanischen Nationalfarben, Pyrotechnik in Grün, Weiß und Rot wurde vom Stadiondach gezündet.
Quiñones trifft nach neun Minuten
Auf dem Rasen brauchte Mexiko keine zehn Minuten für das erste Tor der WM 2026. In der 9. Minute verlor Südafrikas Sphephelo Sithole nach einem unsauberen Pass von Torhüter Ronwen Williams den Ball, Erik Lira spielte quer, Julián Quiñones traf aus 15 Metern. Es ist der früheste Treffer in einem WM-Eröffnungsspiel seit Philipp Lahms 6.-Minuten-Tor gegen Costa Rica 2006. Mexiko führte zur Pause 1:0, Quiñones hatte zwischenzeitlich auch den Pfosten getroffen; Brian Gutiérrez (Mexiko, 23. Minute) und Teboho Mokoena (Südafrika, 17. Minute) sahen Gelb. Mexikos Trainer Javier Aguirre hatte vor der Partie gesagt: „Es gibt nichts Schöneres, als in seiner Heimat zu spielen.“ Es ist der achte Versuch der „El Tri“, ein WM-Eröffnungsspiel zu gewinnen - bisher gelang das nie.
Hört auf, zu drängeln und zu schubsen, hier sind Kinder, ihr benehmt euch wie Tiere.
Metallzäune aus der Protestwoche
Den Zugang zur Fanmeile am Zócalo erschwerten Metallbarrieren, die die Behörden in den Tagen vor der Eröffnung wegen der Protestmärsche von Lehrkräften und Landwirten errichtet hatten und für das Fußballfest stehen ließen. Fans drückten sich durch enge Schleusen, einzelne Gruppen warfen Wasserflaschen in Richtung der Einsatzkräfte und beschimpften Polizisten. Im Aztekenstadion auf 2.200 Metern Höhe drückte die Hitze, geleitet wird die Partie vom brasilianischen FIFA-Schiedsrichter Wilton Sampaio, der pro Halbzeit eine von der FIFA verpflichtend vorgeschriebene Trinkpause einlegen musste.
US-Präsident Donald Trump blieb dem Eröffnungstag wie zuvor angekündigt fern - das Verhältnis zu Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum gilt seit Monaten als zerrüttet. Infantino hatte Trump im Dezember bei der WM-Auslosung einen eigens kreierten „FIFA-Friedenspreis“ verliehen. Für das DFB-Team geht es am Sonntag in Houston gegen WM-Debütant Curaçao los; Bundestrainer Julian Nagelsmanns Mannschaft trainiert seit Mittwoch auf dem Campus der Wake Forest University in Winston-Salem. Bis zum deutschen Auftakt folgen noch zwei weitere WM-Eröffnungsfeiern: Kanada zelebriert seine Premiere am Freitag in Toronto, die USA am Samstag in Inglewood.