Am Samstag um 23 Uhr MESZ pfeift der Schiedsrichter im Hard Rock Stadium in Miami Gardens ein Spiel an, das für beide Mannschaften unter anderen Vorzeichen stehen sollte. Frankreich und England, beide im Halbfinale ausgeschieden, treffen im kleinen Finale der Weltmeisterschaft 2026 aufeinander. Für Didier Deschamps wird es der letzte Auftritt als Nationaltrainer der Équipe Tricolore. Nach 14 Jahren im Amt endet mit dem Abpfiff in Florida eine Ära, die 2018 den Weltmeistertitel und 2022 das Finale einbrachte.

Deschamps hatte bereits im Januar 2025 angekündigt, dass die WM in Nordamerika sein Endpunkt sein werde. „Ich bin seit 2012 hier und werde es noch bis 2026 sein, also bis zur nächsten FIFA Fußball-Weltmeisterschaft. Das ist der Punkt, an dem es enden wird, denn irgendwann muss es das“, so der 57-Jährige. Nach der 0:2-Halbfinal-Niederlage gegen Spanien am Dienstag zog er in Dallas eine erste Bilanz und räumte die eigene Unterlegenheit ein. Für seine Nachfolge gilt Zinédine Zidane als gesetzt: Laut Journalist Fabrizio Romano hat sich der 54-Jährige mit dem französischen Verband mündlich geeinigt, die Ernennung soll unmittelbar nach dem Turnier folgen.

Ich bin seit 2012 hier und werde es noch bis 2026 sein. Das ist der Punkt, an dem es enden wird, denn irgendwann muss es das.
- Didier Deschamps, Pressekonferenz Januar 2025

England zwischen Enttäuschung und Systemfrage

Für Thomas Tuchels Three Lions wird das Spiel um Platz drei zum Nebenschauplatz einer größeren Debatte. Am Mittwoch verlor England in Atlanta 1:2 gegen Argentinien, nachdem Anthony Gordon in der 55. Minute die Führung erzielt hatte. Enzo Fernández glich per Distanzschuss in der 85. Minute aus, Lautaro Martínez traf in der Nachspielzeit. Bereits vor dem Halbfinale hatte der öffentliche Schlagabtausch zwischen Tuchel und Jude Bellingham für Schlagzeilen gesorgt, ohne dass sich die Aufstellung änderte. In Miami steht der deutsche Bundestrainer der englischen Auswahl vor der Frage, ob er die ausgelaugte Startelf um Kane, Bellingham und Bukayo Saka rotieren lässt oder Nachrücker wie Cole Palmer und Adam Wharton Spielzeit verschafft.

Sportlich geht es um mehr als eine Bronzemedaille. Der WM-Dritte erhält 29 Millionen US-Dollar Preisgeld, der Vierte 27 Millionen, so die FIFA-Prämienstaffel. Für die Spieler selbst ist es die Chance, ein Turnier nicht mit einer Niederlage zu beenden - eine Motivationsfrage, die Trainer traditionell ungern öffentlich adressieren. Historisch nimmt Deutschland eine Sonderrolle ein: Vier Teilnahmen am Spiel um Platz drei, drei Siege (1934, 1970, 2006, 2010). Übertragen wird die Partie in Deutschland exklusiv bei MagentaTV, Kommentator ist Christian Strassburger, die Vorberichte moderieren Tabea Kemme und Laura Wontorra.