Zwei Tage nach dem Abpfiff des WM-Finales in East Rutherford ist die nächste Debatte da: CONMEBOL-Präsident Alejandro Domínguez hat am Sonntag über die sozialen Netzwerke verkündet, dass die WM 2030 mit 64 Mannschaften ausgetragen wird. „Eine große Gelegenheit für den Fußball, das 100-jährige Jubiläum des Weltpokals mit einem Wettbewerb aus 64 Teams zu feiern“, schrieb der Chef des südamerikanischen Verbands. Formal beschlossen ist davon nichts. Die FIFA prüft den Vorschlag seit dem vergangenen Jahr und will erst nach der aktuellen WM entscheiden.
Der Vorstoß stammt ursprünglich vom uruguayischen FIFA-Council-Mitglied Ignacio Alonso, das ihn am 5. März 2025 in Zürich einbrachte. Die Argumentation: Die WM 2030 findet zum 100. Jahrestag der ersten Weltmeisterschaft statt, die 1930 in Uruguay ausgetragen wurde. Bislang sind für Uruguay, Argentinien und Paraguay nur je ein einzelnes Jubiläumsspiel vorgesehen, bevor das Turnier nach Marokko, Portugal und Spanien wandert. Mit 64 Teams könnten die südamerikanischen Verbände komplette Gruppenphasen austragen. Statt der 104 Partien in Nordamerika stünden dann 128 Spiele an, das Turnier würde die sechs Wochen sprengen.
Neuendorf, Ceferin und Sheikh Salman gegen den Plan
In Europa stößt die Idee auf klaren Widerstand. DFB-Präsident Bernd Neuendorf nannte die Aufstockung nach Berichten der Sportschau „sportlich und organisatorisch nicht machbar“. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hatte den Vorschlag schon im Frühjahr nach einer Sitzung in Belgrad als „schlechte Idee“ bezeichnet. Gegenüber Reportern führte er aus, das Turnier würde zu lang, die eigenen Qualifikationsspiele wären entwertet: „Für die Qualität des Fußballs wäre es lächerlich.“
Zuerst wäre das Turnier zu lang. Zweitens würden unsere Qualifikationsspiele bedeutungslos. Für die Qualität des Fußballs wäre es lächerlich.
Auch der Asiatische Fußballverband hält dagegen. AFC-Präsident Sheikh Salman bin Ibrahim Al Khalifa erklärte laut Al Jazeera, er sei „persönlich dagegen“, und warnte vor einem Dammbruch: „Wenn das Thema offen bleibt, geht die Tür nicht nur für 64 Teams auf, sondern irgendjemand fordert dann 132.“ Concacaf-Chef Victor Montagliani schloss sich der europäischen Linie an. Ghanas Nationaltrainer Carlos Queiroz nannte den Plan schlicht „vulgär und gewöhnlich“.
Infantino lässt die Tür offen
FIFA-Präsident Gianni Infantino hat den Vorschlag bislang nicht abgeräumt. Er verweist regelmäßig auf den Erfolg der Aufstockung auf 48 Teams für 2026, die er als „zu 100 Prozent“ richtig bezeichnet hat. Auf einer Pressekonferenz Mitte Juli sagte er, kleinere Verbände müssten eine Chance auf die WM haben, sonst fehle ihnen der Anreiz zur Weiterentwicklung. Ein FIFA-Mitglied habe „die Pflicht, jeden Vorschlag aus dem Council zu prüfen“.
Formal steht die Entscheidung nun beim FIFA-Council. Nach Angaben der FIFA sollen die Beratungen im Herbst 2026 beginnen, direkt nach der abgeschlossenen WM in den USA, Mexiko und Kanada. Parallel läuft die Debatte über das Finalstadion der WM 2030 - im Rennen sind das Bernabéu in Madrid, das umgebaute Camp Nou in Barcelona und der neu gebaute Grand Stade Hassan II bei Casablanca. Die Vergabe der Austragungsorte muss bis Ende 2026 formal bestätigt sein.
Für die europäischen Verbände geht es bei der 64er-Debatte um mehr als Symbolik. Eine Verdopplung der Teams verändert die Qualifikationswege, die Klub-Spielpläne und die Vermarktung der eigenen Nations League. Die Deutsche Fußball Liga hatte bereits bei der Aufstockung 2026 vor der Belastung der Nationalspieler gewarnt. Nach dem 3:2 gegen Argentinien am Sonntag im MetLife Stadium beginnt die politische Nachbereitung des Turniers - die Frage nach der Größe der nächsten WM steht ganz oben.