24 Stunden vor dem WM-Finale ist es nicht die Aufstellung, die die Beteiligten am meisten beschäftigt. Über dem MetLife Stadium in East Rutherford hängen die Rauchschwaden der kanadischen Waldbrände, für Sonntagnachmittag prognostizieren die Meteorologen Gewitter und Temperaturen bis zu 30 Grad. Vor dem Endspiel zwischen Titelverteidiger Argentinien und Europameister Spanien am Sonntagabend um 21 Uhr deutscher Zeit koordinieren sich FIFA, Weißes Haus und der National Weather Service so eng, dass ein Vertreter des Wetterdienstes fest in der FIFA-Zentrale sitzt.

Andrew Giuliani, Chef der WM-Task-Force im Weißen Haus, bestätigte die Gespräche bei Sport1. „Es gab dazu bereits Gespräche, und ein Vertreter des nationalen Wetterdienstes ist direkt in der FIFA-Zentrale vor Ort, sodass wir die Lage genau im Blick haben“, sagte Giuliani. Auslöser sind rund 200 aktive Brände in der kanadischen Provinz Ontario. In Ontario und im US-Bundesstaat Minnesota brennt nach Angaben von web.de eine Fläche von etwa 1,9 Millionen Hektar - fast so groß wie Sachsen-Anhalt. Die Luftqualität rund um MetLife lag am Freitag im Bereich „unhealthy“, nachdem sie tags zuvor noch als „very unhealthy“ eingestuft worden war.

Die Kombination aus gefährlicher Hitze und schlechter Luft stellt eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit dar.
- Zohran Mamdani, Bürgermeister von New York City

New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani ließ am Freitag Warnhinweise verteilen, öffentliche Büchereien und Bahnhöfe geben Masken aus. Gouverneurin Kathy Hochul verhängte eine Rauchwarnung für den Großraum New York und riet, Fenster geschlossen zu halten und Luftfilter zu nutzen, wie der Liveblog der Sportschau berichtet. Bereits am Freitag mussten in Chicago das MLS-Spiel Vancouver Whitecaps gegen Chicago Fire mit Robert Lewandowski abgesagt und in Philadelphia ein Baseballspiel in die Abendstunden verschoben werden.

Regen, Blitze, 13-Kilometer-Radius

Die Wettermodelle für East Rutherford geben für Sonntag rund 60 Prozent Regenwahrscheinlichkeit an. Bis zum Anpfiff um 15 Uhr Ortszeit sollen die Höchstwerte in den mittleren 80ern Fahrenheit liegen, also knapp unter 30 Grad Celsius, dazu kommen einzelne Gewitter und Windböen. Immerhin: Der National Weather Service rechnet damit, dass ab Samstagnachmittag einsetzender Regen einen Teil des Rauchs auswäscht. Meteorologe Peter Mullinax warnte im Interview mit dem US-Sender Yahoo Sports allerdings, die Belastung könne bis in den Samstagvormittag hinein noch einmal zunehmen.

Für den Fall, dass Gewitter das Endspiel treffen, ist das Protokoll klar: Registriert der National Weather Service einen Blitzeinschlag innerhalb eines 13-Kilometer-Radius um das Stadion, wird das Spiel sofort unterbrochen. Die Uhr startet dann neu, sobald 30 Minuten ohne weiteren Einschlag vergangen sind. Bei einer aktiven Gewitterlinie sind nach FIFA-Erfahrungen aus diesem Turnier auch 60 bis 120 Minuten Unterbrechung realistisch. Beim Achtelfinale Frankreich - Paraguay in Philadelphia war das Spiel Anfang Juli aus genau diesem Grund lange unterbrochen worden.

Für Argentinien und Spanien bedeuten die Aussichten vor allem eines: eine zusätzliche Belastung, die weder Lionel Scaloni noch Luis de la Fuente steuern können. Die spanische Delegation ist seit Donnerstag im Raum New York einquartiert, Argentiniens Team seit Mittwoch. Trainingssteuerung und Regeneration, über die Sportwissenschaftler diese Woche viel gesprochen haben, verlieren an Bedeutung, wenn zur Halbzeit ein Gewitter die Partie stoppt. Eine offizielle Aussage der FIFA zu einer möglichen Verlegung gibt es bislang nicht.

In Deutschland wird das Finale live und im Free-TV gezeigt: Das ZDF überträgt ab 19:30 Uhr mit Vorberichten, MagentaTV startet schon um 18:30 Uhr in UHD. Ob der Anpfiff pünktlich erfolgt, entscheidet sich möglicherweise erst kurz vorher am Radar.