Die Weltwetterorganisation WMO hat am Montag ihr sechstes jährliches Bulletin zu Luftqualität und Klima veröffentlicht - traditionell zum Internationalen Tag der sauberen Luft am 7. September. Die Kernbotschaft aus Genf ist unbequem: Zwar haben strengere Vorschriften in Europa und Nordamerika Industrie- und Verkehrsemissionen zurückgefahren, doch Hitzewellen und Waldbrände treiben die Feinstaub- und Bodenozonwerte parallel wieder nach oben. Fortschritt und Rückschritt heben sich zunehmend auf.

Die WMO stützt sich auf Messreihen des Global Atmosphere Watch, ihres weltweiten Beobachtungsnetzes, sowie auf Studien externer Wissenschaftler. Zentraler Befund: Die Zahl extremer Feuerrauchereignisse hat sich seit den 1990er Jahren weltweit verdreifacht. Für den Zeitraum 2010 bis 2018 rechnet das Bulletin mit jährlich etwa 100.000 zusätzlichen Todesfällen, die auf Feinstaub aus Bränden zurückgehen. Eine im Bulletin zitierte Untersuchung deutet zudem darauf hin, dass konventionelle Risikomodelle die Sterblichkeit durch Waldbrandrauch um bis zu 93 Prozent unterschätzen.

Europa nicht ausgenommen

Für das Jahr 2025 verzeichnet das Bulletin überdurchschnittliche PM2,5-Belastungen im nördlichen Kanada, in Teilen der Russischen Föderation und in West- und Zentralafrika. Auch der Nordwesten Spaniens war ein Brennpunkt - Folge der außergewöhnlichen Feuer im späten Sommer 2025. In China lagen die Werte weiter unter dem langjährigen Mittel, was die WMO auf den Rückgang menschengemachter Emissionen zurückführt; in Indien blieben sie erhöht, vor allem wegen der Verbrennung von Biomasse. Für Europa bedeutet das: Selbst wo lokale Emissionen sinken, wandert Rauch grenzüberschreitend ein, sobald es weiter nördlich oder südlich brennt.

Neben Feinstaub warnt die WMO ausdrücklich vor bodennahem Ozon. Der Reizstoff bildet sich unter Hitze aus Vorläufersubstanzen und schädigt Atemwege, Landwirtschaft und Ökosysteme. Nach Modellrechnungen im Bulletin ist mit zehntausenden zusätzlichen vorzeitigen Todesfällen zu rechnen, wenn Hitzewellen häufiger werden. Die Weltgesundheitsorganisation habe für Feinstaub Richtwerte vorgegeben, deren Einhaltung, so das WMO-Papier, „progressiv schwieriger“ werde, sobald extreme Feuerwetter zunehmen.

Klimawandel und Luftqualität lassen sich nicht getrennt bekämpfen. Sie hängen zusammen.
- WMO-Bulletin zu Luftqualität und Klima Nr. 6, Genf, 7. September 2026

Mikroplastik als blinder Fleck

Neu im diesjährigen Bulletin: ein eigener Abschnitt zu Mikroplastik als Luftschadstoff. Die WMO schätzt den Bestand auf rund 51 Millionen Tonnen an Land und 22 Millionen Tonnen in den Ozeanen, verweist aber selbst auf erhebliche Unsicherheiten wegen lückenhafter Messungen. Auch Aerosole wie Rußschwarz seien in vielen Regionen der Welt nicht ausreichend erfasst, obwohl sie sowohl gesundheitsschädlich als auch klimawirksam sind. Die Organisation fordert, atmosphärische Messnetze auszubauen und Luftreinhaltung mit Klimaschutz institutionell zusammenzuführen.

Für Deutschland trifft das auf eine Debatte, die im Frühsommer bereits mit dem WMO-Warnbericht zu El-Niño-Bedingungen anlief. Auch das Bundesumweltamt hatte in den vergangenen Monaten steigende Ozonwerte an mehreren Stationen registriert. Der Befund des Bulletins schließt dort an, wo die deutsche Klimapolitik oft trennt - Emissionshandel und Feinstaub-Grenzwerte werden getrennt reguliert, obwohl sie sich denselben Quellen verdanken. Genau das kritisiert die WMO.