Beim VfL Wolfsburg zeichnet sich nach dem historischen Abstieg in die 2. Bundesliga eine pragmatische Lösung für die offene Führungsfrage ab. Wie kicker und die Wolfsburger Allgemeine Zeitung am Mittwoch übereinstimmend berichten, soll Trainer Dieter Hecking zum Sport-Geschäftsführer des Klubs aufrücken. Die Position ist seit der Trennung von Peter Christiansen im März vakant.

Über die personelle Hängepartie hatten wir am Dienstag berichtet. Hecking hatte am Tag nach der 1:2-Niederlage im Relegationsrückspiel in Paderborn von einer offenen Zusammenstellung gesprochen: „In welcher Zusammenstellung, das wird man dann sehen.“ Die nun kolportierte Lösung zeichnet sich auch deshalb ab, weil die Wunschkandidaten der Wolfsburger Klubführung nicht zur Verfügung stehen sollen. Marcel Schäfer steht bei RB Leipzig noch bis 2028 unter Vertrag, Fabian Wohlgemuth beim VfB Stuttgart bis 2027, Andreas Schicker bei der TSG Hoffenheim sogar bis 2029.

Hecking kennt die 2. Bundesliga aus Nürnberg

Hecking bringt die wohl entscheidende Voraussetzung für eine schnelle Lösung mit: Er war von 2020 bis 2024 als Sportvorstand des 1. FC Nürnberg in der zweiten Liga tätig und kennt die wirtschaftliche und sportliche Mechanik der Liga im Detail. Die Wolfsburger sehen darin laut Bericht einen Vorteil gegenüber externen Kandidaten, die sich erst einarbeiten müssten - in einer Übergangsphase, in der bei mehreren Profis Abstiegsklauseln greifen und Volkswagen den jährlichen Zuschuss von 80 auf 55 Millionen Euro kürzt.

Offen ist nach Angaben des Branchendienstes Absolut Fußball noch, ob Hecking formal als Sport-Geschäftsführer einsteigt oder als Berater mit Entscheidungsbefugnis fungiert. Sein Trainervertrag läuft am 30. Juni aus. Parallel sucht der Klub einen neuen Cheftrainer für die Zweitliga-Saison. Als Kandidaten kursieren laut Absolut Fußball Danny Röhl (Glasgow Rangers), Alexander Blessin (FC St. Pauli) und der seit Februar vereinslose Thomas Reis.

Für den Aufsichtsrat um Konzernsprecher Sebastian Rudolph wäre die interne Lösung zugleich ein Signal an die Belegschaft und an die Fans, dass nach dem Schock vom Pfingstmontag ein bekanntes Gesicht den Wiederaufbau führt. Hecking hatte den VfL 2015 zum DFB-Pokalsieg geführt und ist im Klub unverändert anerkannt - auch wenn er den ersten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte nach zehn Wochen im Amt nicht verhindern konnte.