Einen Tag nach der 1:2-Niederlage in Paderborn, über die wir am Montagabend berichteten, hat beim VfL Wolfsburg der Tag der Konsequenzen begonnen. Volkswagen wird seinen jährlichen Zuschuss laut übereinstimmenden Berichten von „Bild“ und Sport1 von rund 80 auf etwa 55 Millionen Euro reduzieren. Trainer Dieter Hecking, dessen Vertrag ausläuft, lässt seine Zukunft offen. Die Mannschaft, die in den Erstliga-Spielzeiten zu den teuersten Kadern der Liga gehörte, steht vor einem Totalumbruch.
VW-Konzernsprecher Sebastian Rudolph, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des VfL, bestätigte dem NDR die Reduktion, ohne die genaue Summe zu nennen. „Liga-unabhängig eine finanzielle Stabilität, die wir liefern, die wir leisten. Der Volkswagen-Konzern steht fest zum VfL Wolfsburg“, sagte Rudolph. In Zahlen heißt das nach Berichten der Volksstimme: Der Wegfall des Bundesliga-Standorts und der ausgehandelte Sparkurs reduzieren das Gesamtbudget, das auch Frauenfußball, Nachwuchs und Infrastruktur deckt, um knapp ein Drittel.
Hecking selbst sprach am Tag nach dem Spiel von einer Hängepartie. „Wir werden sicherlich die nächsten ein, zwei Tage zusammenkommen, um erst einmal die zehn Wochen zu analysieren, die ich verantwortlich war“, zitiert ihn die Volksstimme. Der 61-Jährige war erst im März als Nachfolger des entlassenen Daniel Bauer übernommen worden, nachdem zuvor Paul Simonis gehen musste. Auch der Geschäftsführerposten ist seit dem Abgang Peter Christiansens vakant. Wolfsburg hat damit binnen zehn Wochen zwei Trainer, einen Geschäftsführer und einen Sportdirektor verloren - und steht jetzt ohne sportliche Führungsstruktur in der 2. Liga.
Wenn man absteigt, tut es weh.
Der Kader wird zerlegt
Mit dem Abstieg greifen in zahlreichen Spielerverträgen Klauseln, die das Gehalt um rund 35 Prozent reduzieren. Trotzdem gelten viele Profis als zu teuer für die 2. Bundesliga. Sport1 nennt eine Abgangsliste, die fast einer Komplettzerlegung gleichkommt: Christian Eriksen, Mohamed Amoura, Patrick Wimmer, Lovro Majer und Torwart Kamil Grabara werden den Klub mit hoher Wahrscheinlichkeit verlassen. Auch Kapitän Maximilian Arnold, seit Jahren das Gesicht des VfL, gilt als wechselwillig. Die Volksstimme listet zudem Wind, Paredes, Daghim, Lindström, Seelt und Belocian als bereits beschlossene Abgänge.
Eingerichtet hat sich Wolfsburg schon mal: Elvis Rexhbeçaj, vor zwei Jahren nach Augsburg verliehen, wurde noch vor der Relegations-Pleite zurückgeholt. Als Zugangskandidaten kursieren in Berichten von Sport1 und t-online Spieler aus dem zweitklassigen Umfeld - darunter die Berliner Reese und Ernst. Bundesligaqualität gegen Bezahlbarkeit zu tauschen, wird die Aufgabe des kommenden Sportchefs sein. Der ist nur eines der Probleme, für die der VfL bis zum Saisonstart der 2. Bundesliga am 7. August eine Lösung braucht: Trainer, Sportlicher Leiter, Kaderumbau, Etatplanung.
Diego Benaglio, Aufsichtsratsmitglied und ehemaliger Wolfsburger Torwart, fasste die Stimmung im Klub gegenüber ZDFheute zusammen: „Aber wenn am Schluss ein Abstieg da ist, fühlt sich das brutal an.“ Volkswagen, das nach Konzern-Sparrunde selbst unter Druck steht, hat klargemacht, dass die Wolfsburger Wölfe weiter unterstützt werden - nur eben günstiger. Wie viel Liga noch im Verein steckt, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden, in denen Hecking entweder bleibt oder geht und das nächste sportliche Konzept geschrieben wird.