Amsterdam hat am Samstag die Kanalparade seiner ersten WorldPride ausgerichtet und damit die größte Pride-Veranstaltung außerhalb der Vereinigten Staaten in diesem Sommer. Nach Angaben der Veranstalter zogen mehr als achtzig geschmückte Boote zwischen 12 und 18 Uhr durch die Grachten, von Oosterdok über die Amstel und die Prinsengracht bis zum Westerdok. Die Zahl der Zuschauerinnen und Zuschauer entlang der Ufer wurde von der Washington Blade auf mehrere Hunderttausend geschätzt.

Die Parade fiel auf den Tag genau eine Woche nach dem tödlichen Anschlag auf den Berliner CSD am 25. Juli, bei dem der 21-jährige Abdul Ballout mit einem Van in Passanten am Tiergarten gefahren war und danach mit einer Machete auf Menschen einstach. Eine polnische Frau starb, 29 weitere wurden verletzt. In Amsterdam wurde das Homomonument, ein Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, zu einer provisorischen Trauerstätte für die Berliner Opfer umfunktioniert; Blumen, Kerzen und handgeschriebene Botschaften stapelten sich am Rand der Prinsengracht.

Jetten fährt mit, Amsterdam verstärkt Sicherheit

Im Zug fuhr auch Ministerpräsident Rob Jetten, seit seiner Vereidigung im Frühjahr der erste offen schwule Regierungschef der Niederlande. Königin Máxima hatte die WorldPride am 25. Juli gemeinsam mit Amsterdams Bürgermeisterin Femke Halsema im Vondelpark eröffnet. Halsema kündigte nach dem Berliner Anschlag an, die Sicherheitsvorkehrungen „dort zu verstärken, wo es nötig ist“. Konkrete Zahlen zur Einsatzstärke nannte die Stadt nicht.

Martijn Albers, Sprecher von Amsterdam Pride, formulierte die Haltung der Organisatoren so: „Ziel des Terrors ist es, Angst zu verbreiten. Dem dürfen wir nicht nachgeben.“ Caspar Pisters von der niederländischen Aids-Stiftung ergänzte an einer Bühne am Ufer: „Solange es Menschen gibt, wird es LGBTQ+ geben, und keine Gewalt und keine Million Bomben kann daran etwas ändern.“

Die Reaktionen der Teilnehmenden entsprachen dem Ton, der auch aus Hamburg zu hören war, wo zeitgleich rund 250.000 Menschen auf den CSD zogen. Der 32-jährige Amerikaner Tré Shawn Griffin, der seit einigen Jahren in Amsterdam lebt, sagte auf der Prinsengracht: „Sie wollen dich einschüchtern, sie wollen, dass du dich versteckst. Ihr wollt, dass ich mich verstecke? Dann komme ich noch lauter heraus.“ Der 55-jährige Tim Cox sagte gegenüber der Washington Blade schlicht: „Jeder sollte so akzeptiert werden, wie er ist.“

Solange es Menschen gibt, wird es LGBTQ+ geben, und keine Gewalt und keine Million Bomben kann daran etwas ändern.
- Caspar Pisters, niederländische Aids-Stiftung

Politische Botschaften an Bord

Die Themen an Bord der Boote reichten über das Anti-Terror-Statement hinaus deutlich in die Weltpolitik. Auf mehreren Schildern stand „proud to be intersex“, auf anderen „lesbians love you and a free Palestine“. Ein Boot zeigte Donald Trump und Wladimir Putin als „the kissing couple“, in Anspielung auf das bekannte Berliner Wandbild. Zwei Besucherinnen hielten Fächer mit der Aufschrift „fuck Trump“ in die Kameras. Für den Abend war ein Konzert von Madonna beim WorldPride Music Festival angekündigt.

Die WorldPride läuft in Amsterdam noch bis zum 8. August. Höhepunkte in der zweiten Woche sind die Menschenrechtskonferenz vom 5. bis 7. August und der Abschlussmarsch am Samstag. Amsterdam ist die erste kontinentaleuropäische Metropole seit Madrid 2017, die die WorldPride ausrichtet; die Stadt setzte sich 2022 mit 59 Prozent der Stimmen bei InterPride gegen Orlando durch. Die Wahl fiel auf das Jahr 2026, weil sich in diesem Sommer die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare in den Niederlanden zum 25. Mal jährt.