3sat hat am Sonntagabend „Das Wunder von Kärnten“ wiederholt, den Fernsehfilm von Andreas Prochaska aus dem Jahr 2011. Die 90-minütige Koproduktion von ORF und ZDF lief um 20:15 Uhr, eine weitere Ausstrahlung folgt in der Nacht zum Montag um 00:45 Uhr, danach ist der Film in der 3sat-Mediathek verfügbar. Der Wikipedia-Eintrag zum Film gehörte am Sonntag zu den meistaufgerufenen Seiten der deutschsprachigen Ausgabe.
Der Film erzählt einen realen Fall aus dem Landeskrankenhaus Klagenfurt. Am 3. Mai 1998 fiel die vierjährige Katharina in den Teich am elterlichen Bauernhof, sie lag mehr als eine halbe Stunde unter Wasser. Als sie in die Klinik gebracht wurde, war ihr Herz stehen geblieben, ihre Körperkerntemperatur lag bei 18,4 Grad. Der damalige Oberarzt Markus Thalmann entschied, das Kind an eine Herz-Lungen-Maschine anzuschließen, die eigentlich für Erwachsene gedacht war. Nach stundenlanger Reanimation kehrte der Kreislauf zurück, das Mädchen erwachte später ohne bleibende Schäden aus dem Koma. Der Fall ging als „das Wunder von Kärnten“ in die Medizingeschichte ein.
Ken Duken spielt den Herzchirurgen, in Anlehnung an Thalmann heißt er im Film Markus Höchstmann. An seiner Seite: Julia Koschitz als Kollegin Lydia Martischek und Jürgen Maurer als Notaufnahme-Arzt Thomas Wenninger. Regie führte der Wiener Andreas Prochaska, der Drehbuchautor Peter Turrini setzte den Fall in eine einzige, klaustrophobische Nachtschicht um. Der reale Thalmann beriet die Produktion. Der Filmdienst bezeichnet die Inszenierung als „bewegendes (Fernseh-)Drama“, das „unaufdringlich mit medizinischen Fragestellungen und ethischen Bedenken konfrontiert“.
So spannend kann ein Wunder sein.
Emmy in New York, Millionenpublikum bei der Erstausstrahlung
Die österreichische Erstausstrahlung im Januar 2012 sahen laut ORF rund eine Million Menschen, im ZDF lief der Film wenige Wochen später. Im November 2013 setzte sich die Koproduktion beim International Emmy in New York in der Kategorie „TV Movie/Mini-Series“ gegen Beiträge aus Großbritannien, Japan und Uruguay durch. Ken Duken sagte nach der Verleihung, die Konkurrenz sei „hart“ gewesen, er hätte den Sieg nicht erwartet. ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner sprach damals von einer „großen internationalen Anerkennung“ für den österreichischen Produktionsstandort.
Neben dem Emmy erhielt der Film 2012 den Bayerischen Fernsehpreis für Prochaskas Regie und die Romy für Produktion und Drehbuch, 2013 folgte der Deutsche Schauspielerpreis für eine Nebenrolle. In der Reprise trifft die Neuinszenierung des Falls auf ein Publikum, das seit 1998 mit einer Reihe medizinisch dokumentierter Reanimationen nach Unterkühlung vertraut ist - was 1998 als Ausnahme galt, ist heute Teil der Notfallmedizin-Literatur. Der Film erklärt, warum: Die extreme Unterkühlung senkte den Sauerstoffbedarf des Gehirns so stark, dass die halbstündige Ischämie überstanden werden konnte.