Apple hat am Montagabend mitteleuropäischer Zeit auf der Worldwide Developers Conference 2026 (WWDC) im kalifornischen Cupertino seine bisher tiefgreifendste Siri-Generalüberholung vorgestellt. Der Sprachassistent läuft künftig auf einem maßgeschneiderten Google-Gemini-Modell mit rund 1,2 Billionen Parametern in Mixture-of-Experts-Architektur, wie aus den Liveberichten von Bloomberg und Tom's Guide hervorgeht. Es war zugleich die letzte Keynote von Tim Cook als CEO - der 65-Jährige übergibt am 1. September an Hardware-Chef John Ternus.
Die neue Siri arbeitet mit einem dreistufigen Routing: Einfache Anfragen verbleiben auf dem iPhone, mittelschwere Aufgaben wandern in Apples Private Cloud Compute, die rechenintensivsten Anfragen gehen an Google-Rechenzentren mit Nvidia-Blackwell-B200-GPUs. Vor der Übergabe an Google würden die Anfragen anonymisiert und tokenisiert, betonte das Unternehmen laut Techtimes. Die Partnerschaft mit Alphabet war im Januar 2026 geschlossen worden, nachdem Apples Eigenentwicklung mehrfach verschoben werden musste; sie kostet das Unternehmen nach Branchenberichten rund eine Milliarde Dollar pro Jahr.
Neben Siri präsentierte Apple Developer-Betas für sechs Betriebssysteme: iOS 27, iPadOS 27, macOS 27 mit dem Codenamen Golden Gate, watchOS 27, tvOS 27 und visionOS 27. Software-Chef Craig Federighi versprach laut Engadget bis zu 30 Prozent schnellere App-Starts und eine bis zu 70 Prozent flottere Foto-Mediathek. Die im Vorjahr eingeführte Liquid-Glass-Optik bekommt einen Regler, mit dem sich Transparenz und Kontrast einstellen lassen - eine Reaktion auf wochenlange Kritik aus der Mac-Community an grauen Schatten und unleserlichen Menüleisten.
Neue Plattform für ein neues Gerät
Mit homeOS zeigte Apple zudem das Fundament für eine bisher nur in Insiderberichten kursierende Hardware-Kategorie. Die zugehörige HomePad genannte Wohnzimmer-Konsole kombiniert nach Recherchen von Bloomberg-Reporter Mark Gurman einen HomePod-Lautsprecher mit einem sieben Zoll großen Display und Apples A18-Chip. Die Markteinführung ist für den Herbst 2026 vorgesehen; bis dahin sollen Entwickler ihre Apps für die neue Plattform vorbereiten. Apple folgt damit Google und Amazon, die seit Jahren auf Smart-Display-Hardware setzen, ohne bisher massentauglich zu sein.
Für den europäischen Markt enthält die Keynote eine bittere Pointe: Die generative Siri startet nach Angaben des Branchendienstes Engadget zunächst nicht in der Europäischen Union. Frei zugänglich werden hingegen die wichtigsten Apple-Intelligence-Funktionen wie Writing Tools und Image Playground. Nutzer dürfen darin künftig per Voreinstellung auf Drittanbieter-KI zurückgreifen, namentlich auf OpenAIs ChatGPT oder Anthropic Claude - ein in der Apple-Welt ungewöhnlicher Schritt. Die Hardware-Anforderungen bleiben hingegen unverändert: Apple Intelligence läuft weiterhin nur auf iPhone 15 Pro, iPhone 16 und neueren Modellen.
Cooks Abschied vom Keynote-Podium
Tim Cook beschloss seinen Auftritt als Apple-Chef nüchtern. Den Wechsel hatte er im April öffentlich gemacht; an seine Stelle rückt am 1. September John Ternus, bisher zuständig für die Hardware-Entwicklung von iPhone, iPad, Mac, Apple Watch und Vision Pro. Cook selbst übernimmt den Posten des Executive Chairman. Sein 14 Jahre langes CEO-Erbe ist eindeutig: Apple wurde unter ihm zum ersten Vier-Billionen-Dollar-Konzern der Geschichte, scheiterte aber in der ersten Generation der KI-Assistenten klar an der Konkurrenz aus Mountain View und San Francisco. Mit der Gemini-Allianz und dem HomePad versucht Apple, beide Versäumnisse in einem Aufschlag zu korrigieren.