Am Mittwochabend hat das ZDF zwei der aufsehenerregendsten Kriminalfälle der jüngeren deutschen Geschichte an einen Abend gesetzt. Unter dem Titel „XY history“ liefen ab 20.15 Uhr die Jagd nach dem Hammermörder Norbert Pöhlke in Baden-Württemberg, ab 21.00 Uhr dann der Fall des Eberswalder Kindermörders Erwin Hagedorn aus der DDR. Beide Namen trendeten am Donnerstag in deutschsprachigen Timelines.

Pöhlke war Polizeiobermeister bei der baden-württembergischen Landespolizei. Am 3. Mai 1984 erschoss er auf einem Wanderparkplatz bei Marbach am Neckar den 47-jährigen Vertreter Siegfried Pfitzer und nutzte dessen BMW als Fluchtfahrzeug für den Überfall auf die Raiffeisenbank im nahen Burgstetten-Erbstetten. Am Schalter trieb er mit einem Vorschlaghammer die Scheibe ein, das brachte ihm in der Presse den Namen Hammermörder ein. Es folgten zwei weitere Autofahrer-Morde und drei Banküberfälle, zuletzt am 22. Juli 1985 in Spiegelberg. Rund 100 Beamte der Sonderkommission „Hammer“ gingen etwa 4.000 Spuren nach, befragten Pöhlke sogar selbst und ließen ihn wegen abweichender Zeugenbeschreibung wieder ziehen, wie das Landesarchiv Baden-Württemberg in seiner Fallakte dokumentiert.

Am 18. Oktober 1985 erschien Pöhlke nicht zum Dienst. In seinem Haus in Strümpfelbach fanden Kollegen seine Frau und einen seiner Söhne erschossen. Pöhlke selbst war mit dem jüngsten Sohn Richtung Süditalien unterwegs. In Brindisi erschoss er auch das Kind und sich selbst.

Der zweite Film führt in die DDR. Am 31. Mai 1969 tötete der 17-jährige Erwin Hagedorn in einem Wald bei Eberswalde die beiden neunjährigen Jungen Henry Specht und Mario Louis. Zwei Jahre später, am 7. Oktober 1971, erstach er den zwölfjährigen Ronald Winkler. Volkspolizei und Stasi fahndeten mit einem Großaufgebot, erstmals erstellte die DDR-Kriminalistik ein psychologisches Täterprofil. Hagedorn wurde am 15. September 1972 in der Haftanstalt Leipzig durch unerwarteten Nahschuss hingerichtet, es war die letzte zivile Vollstreckung der Todesstrafe in der DDR, wie der Berliner Kurier anlässlich der Ausstrahlung zusammenfasst.

Zeitzeugen und ein neu erschlossener Aktenberg

Moderator Sven Voss trifft in beiden Folgen Ermittler, Angehörige und Fachleute. Zum Pöhlke-Fall sprechen der frühere Soko-Hammer-Leiter Gerd Bornschein, die Lokaljournalistin Elke Evert und die forensische Psychologin Dr. Gilda Giebel über die Fehlspuren, die die Fahnder monatelang in die Irre führten. Für die Eberswalder Morde kommen laut ZDF der Ermittler Wolfgang Mücke und der Autor Marko Kregel zu Wort, der für sein Buch „Blutrausch“ rund 600 Stasi-Akten ausgewertet hat. Kregel hat zudem rund 60 bisher unausgewertete Tonbandaufnahmen aus den Verhören mit Hagedorn gesichtet, die das Bild des kühl und bereitwillig gestehenden Täters nachträglich korrigieren.

Die beiden Folgen stehen in der ZDF-Mediathek bereits seit dem 28. September und sind noch bis Ende September 2031 abrufbar. In der vergangenen Staffel 2025 erreichte „XY history“ rund 2,4 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer pro Folge bei einem Marktanteil von knapp elf Prozent. Mit der Doppelfolge vom Mittwochabend reaktiviert der Sender zwei Kapitel bundesdeutscher und ostdeutscher Kriminalgeschichte, die über Jahrzehnte vor allem in Regionalgedenken und Fachpublikationen präsent geblieben waren.