Zwei Tage nach dem 1:0 gegen Argentinien im MetLife Stadium arbeitet ein Teil der Werbeindustrie an einem einzigen Namen: Lamine Yamal. Der 19-jährige Flügelspieler des FC Barcelona ist seit dem 19. Juli der jüngste Fußballer der Geschichte, der sowohl Europameister als auch Weltmeister ist - und die Konsequenzen jenseits des Rasens werden derzeit in Zahlen sichtbar, die selbst vor der WM als kaum steigerbar galten.

Vor dem Turnier hatte das CIES Football Observatory Yamal auf einen geschätzten Marktwert von 358 Millionen Euro taxiert und ihn damit an die Spitze aller Profis in Europa gestellt, wie ESPN Anfang Juni berichtete. Nach dem WM-Titel gehen mehrere Vermarktungsagenturen von einem weiteren Sprung aus. Der US-Wirtschaftsdienst Sportico schrieb am Wochenende, Yamals Erlöspotenzial habe sich mit dem Titel „schlagartig verändert“.

Mit dem WM-Sieg mit 19 verschiebt sich sein Zeitplan komplett. Er ist nicht mehr die Zukunft des Fußballs, er ist die unmittelbare Gegenwart.
- Adam Holt, CEO der Beratung Spiqe, gegenüber Sportico

Yamals Jahreseinkünfte aus Werbeverträgen und Gehalt vor Steuern schätzt Sportico bereits vor dem WM-Finale auf rund 43 Millionen Euro. Damit rangiert er als bislang zehntbestbezahlter Fußballer der Welt - hinter Größen wie Lionel Messi (rund 70 Millionen Dollar jährlich aus Werbung) und Cristiano Ronaldo (65 Millionen), aber vor Kylian Mbappé, der im gleichen Alter mit dem Weltmeistertitel 2018 lediglich rund 30 Millionen pro Jahr aus Werbeverträgen erlöste.

Adidas, Visa, Coca-Cola - und ein Vertrag bis 2031

Yamals Sponsorenportfolio liest sich wie ein Auszug aus den Sitzungsprotokollen globaler Konsumgüterkonzerne: Adidas hatte sich den Barcelona-Star 2024 mit einem Zehnjahresvertrag gesichert, der laut Sportico auf ein Gesamtvolumen von rund 34 Millionen Euro geschätzt wird. Hinzu kommen Deals mit Visa, Coca-Cola, Powerade, dem japanischen Videospielentwickler Konami, Beats by Dre, dem chinesischen Smartphone-Hersteller OPPO und dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF. Im Januar unterzeichnete Yamal einen Fünfjahresvertrag als globaler Markenbotschafter der US-Modekette American Eagle.

Anders als bei anderen 19-Jährigen, deren Vermarktungswert stark am nächsten Transferfenster hängt, ist Yamals wirtschaftliche Stabilität bereits vertraglich abgesichert. Sein im Frühjahr verlängerter Kontrakt beim FC Barcelona läuft bis Juni 2031, die Ausstiegsklausel liegt bei einer Milliarde Euro. Barcelona kann den Preis diktieren, für Werbepartner bedeutet das Planungssicherheit.

Die Reichweite in den sozialen Netzwerken hat sich während des Turniers zusätzlich verschoben. Sportico verweist auf einen Zuwachs von rund acht Millionen Followern auf Instagram allein seit dem 11. Juni, dem WM-Auftakt. Yamals Instagram-Konto liegt jetzt bei mehr als 51 Millionen Followern, sein TikTok-Kanal bei 58,3 Millionen. Zum Vergleich: Der bisher jüngste WM-Torschütze eines Endspiels, Mbappé, kam bei seinem Titelgewinn 2018 auf einen Bruchteil dieser Zahlen - die Plattform TikTok existierte im Westen noch nicht flächendeckend.

Ballon d'Or 2026: Ein Rennen, das nicht mehr wirklich eines ist

Die individuelle Krönung dürfte in Paris folgen. Yamal, im vergangenen Jahr Zweiter hinter Ousmane Dembélé in der Ballon-d'Or-Wahl, gilt nach der WM in den einschlägigen Redaktionen als kaum zu schlagender Favorit für die Vergabe im Oktober. Die spanische Sportzeitung Marca sowie mehrere US-Portale wie Bolavip nennen ihn bereits als „front-runner“. David Beckham brachte die Debatte nach dem Finale gegenüber Sports Illustrated auf einen Satz: „Man kann niemanden mit Messi vergleichen, aber Yamal ist das Nächstdran, was ich je gesehen habe.“ Yamal selbst kommentierte den Titel bei Yahoo Sports lapidar: „Ich habe fast das komplette Set.“ Ihm fehle noch die Champions League - mit Barcelona.

Ob sich der wirtschaftliche Effekt tatsächlich in einem sofortigen Sprung auf Marktwerte jenseits der 400-Millionen-Euro-Marke niederschlägt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen, wenn Transfermarkt und CIES ihre Bewertungen aktualisieren. Ohne Konkurrenz auf dem globalen Werbemarkt der 20er-Generation ist Yamal aber schon jetzt. Und in Barcelona, wo die Ligasaison am 15. August in Bilbao beginnt, wird er als amtierender Weltmeister zurückkehren - mit einer Nummer 10, die noch bis vor Kurzem einem argentinischen Ausnahmespieler gehörte.