Zwei Tage nach dem 1:0 gegen Argentinien im MetLife Stadium bleibt eine Szene aus der spanischen Weltmeister-Feier Gesprächsstoff: Mittelfeldspieler Fabián Ruiz hielt am Montagabend während der Parade durch das Zentrum von Madrid ein Plakat in die Kamera, das ihm aus dem Publikum gereicht worden war. Darauf stand: „Velada del Año VII: Paredes vs Gavi“. Lamine Yamal deutete auf das Schild und sagte in die Kamera: „Nos vemos“, wie das Sportportal des Senders Sky in Deutschland festhielt - auf Deutsch: „Wir sehen uns.“
„La Velada del Año“ ist eine populäre Boxshow des spanischen Streamers Ibai Llanos, in der Prominente, Influencer und ehemalige Sportler in Ausstellungskämpfen aufeinandertreffen. Das Format ist auf Twitch und Kick regelmäßig eine der reichweitenstärksten Live-Übertragungen im spanischsprachigen Netz. Der auf dem Plakat aufgedruckte Titel „VII“ verweist auf die nächste, im kommenden Jahr geplante Ausgabe. Spanische Medien deuteten die Ansage der Weltmeister durchgehend als scherzhaften Vorstoß, den argentinischen Nationalspieler Leandro Paredes und den spanischen Mittelfeldspieler Gavi tatsächlich im Ring aufeinandertreffen zu sehen.
Der Hintergrund liegt keine 24 Stunden zurück: Nach dem Schlusspfiff in East Rutherford war Paredes bei einer Rangelei zwischen den Mannschaften auf Gavi losgegangen. Er packte den 22-jährigen Barcelona-Profi am Trikot, schlug ihm mit der flachen Hand ins Gesicht und stieß ihn zu Boden. Der Schiedsrichter zeigte dem argentinischen Mittelfeldspieler die Rote Karte. Die FIFA leitete am Montag ein Disziplinarverfahren gegen Paredes und weitere argentinische Beteiligte des Nachpartie-Handgemenges ein.
Bei Paredes ist da etwas durchgeknallt.
Reichweite jenseits des Rasens
Die Szene aus Madrid setzte innerhalb weniger Stunden eine Reichweite frei, die die WM-Bühne selbst kaum noch überbieten kann. Sky Sport Deutschland titelte „Kampf des Jahres - Yamal verhöhnt Paredes“; die Schweizer Plattform Watson beschrieb den Auftritt als eine der auffälligsten Szenen einer Feier, an der über den Tag verteilt rund zwei Millionen Menschen teilnahmen. An der Plaza de Cibeles, dem traditionellen Feierort der Selección, waren nach Angaben der Stadt rund 120.000 Fans versammelt. Yamal, der zuvor auf der Bühne gemeinsam mit Nico Williams zu einem Song von Bad Bunny getanzt hatte, rückte damit zum zweiten Mal binnen Stunden ins Zentrum des Abends.
Für Paredes ist die Nummer zusätzlich brisant, weil sein Nationalmannschafts-Kapitel ohnehin mit dem Finale endete. Am Dienstag stellte ihn sein neuer Klub Boca Juniors nach dem Wechsel aus Rom offiziell vor. Auf argentinischer Seite bleibt zudem offen, in welchem Umfang die FIFA das Nachfinal-Handgemenge sanktioniert - Präsident Claudio Tapia hatte am Sonntagabend eine harte Antwort des Verbandes angekündigt.
Ein Witz mit Aussicht auf Wiederholung
Für Yamal reiht sich das Plakat-Video in eine Serie viraler Momente ein, die seit dem Finale fast im Stundentakt kommen: Rede an der Cibeles, Tanzeinlage mit Nico Williams, jetzt die Sticheleien mit Fabián Ruiz. Dass der 19-Jährige die Rolle des Anführers auch abseits des Platzes ohne Zurückhaltung annimmt, dürfte in den Marketingabteilungen seiner Werbepartner für Zufriedenheit sorgen - und den Ballon-d'Or-Redaktionen in Paris weitere Argumente liefern. In Barcelona meldet sich Yamal in den kommenden Wochen zur Vorbereitung auf die Ligasaison zurück, die am 15. August in Bilbao beginnt.