Yayoi Kusama ist tot. Die japanische Künstlerin starb am 14. August in einem Krankenhaus in Tokio im Alter von 97 Jahren. Ihr Studio bestätigte den Tod auf der offiziellen Website erst mit einigen Tagen Verzögerung. „Wir werden Kusamas Wunsch weitertragen und den Menschen weltweit durch Kunst Hoffnung und Kraft für die Zukunft geben“, heißt es in der Erklärung ihres Teams.
Kusama hatte in den vergangenen Wochen noch einmal jenen Ausnahmestatus in Europa unterstrichen, der sie zuletzt zur meistausgestellten lebenden Künstlerin machte. Die Retrospektive im Kölner Museum Ludwig, die am 2. August nach fast fünf Monaten geschlossen wurde, zog nach Angaben des Hauses rund eine halbe Million Besucherinnen und Besucher an - so viele wie nie zuvor bei einer einzelnen Ausstellung. Rund 300 Werke waren zu sehen, darunter mehrere raumfüllende „Infinity Rooms“. Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) sprach nach dem Ausstellungsende von einem „überwältigenden Andrang“, der zeige, „wie tief Kunst Menschen in Köln bewegt und verbindet“.
Von der Klinik ins Weltmuseum
Kusama, 1929 im japanischen Matsumoto geboren, studierte in Kyoto zunächst traditionelle Nihonga-Malerei, ging aber mit 19 Jahren nach New York und schloss sich der Pop-Art- und Happening-Szene an. Die taz erinnert in ihrem Nachruf an provokante Installationen der 1960er, in denen Kusama nackte Modelle mit ihren charakteristischen Punkten überzog. 1973 kehrte sie nach Japan zurück, 1977 begab sie sich freiwillig in eine psychiatrische Klinik in Tokio, die bis zuletzt ihre Adresse blieb. Von dort aus baute sie ein globales Œuvre auf: MoMA, Tate Modern, Guggenheim Bilbao, Whitney Biennale, Berliner Gropius-Bau - kaum ein Haus, in dem ihre Kürbisse und Punkte in den letzten zwei Jahrzehnten nicht zu sehen waren.
Ich mag keinen Sex. Ich bin davon besessen.
Ihre Kunst blieb dabei unlösbar mit den Zwangsvorstellungen ihrer Kindheit verbunden. Halluzinationen, die sich in serieller Wiederholung entluden, wurden zum Markenzeichen. Der Spiegel würdigte sie in einem Nachruf als Brückenbauerin zwischen östlicher und westlicher Ästhetik; die Süddeutsche Zeitung erinnerte an ihre schonungslose Kritik an männlicher Dominanz im internationalen Kunstbetrieb. Der Bund schrieb, aus einer Biografie voller Zusammenbrüche sei eine Bildwelt entstanden, die weltweit Menschen glücklich mache.
Amsterdam wird zur letzten Station
Ihre europäische Wanderausstellung endet nun ohne sie. Nach Fondation Beyeler und Museum Ludwig übernimmt ab dem 11. September das Stedelijk Museum in Amsterdam die Retrospektive, die dort bis zum 17. Januar 2027 zu sehen sein wird. Für viele Häuser dürfte es die letzte Gelegenheit sein, ein Werk zu zeigen, an dem Kusama nach eigener Auskunft bis in ihre letzten Tage weitergemalt hat - den Pinsel, wie es in der Erklärung des Studios heißt, habe sie nie beiseitegelegt.