Das ZDF hat den Auftakt seiner WM-Berichterstattung mit einer Werbepanne begonnen. Während im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt am Donnerstagabend die Eröffnungsfeier mit Auftritten von Danny Ocean und Lila Downs schon lief, blendete der Mainzer Sender weiter Werbung und Studio-Geplänkel ein. Rund sieben Minuten der etwa 20-minütigen Show liefen am deutschen Free-TV-Publikum vorbei, wie der Sportreporter Nikolai Stübner bei t-online vorrechnete. Erst zur letzten Nummer war das ZDF wieder im Bild - rechtzeitig zu Shakira und Burna Boy, die den offiziellen WM-Song „Dai Dai“ vor rund 83.000 Zuschauern im Stadion uraufführten.

Auslöser war eine länger als geplante Werbepause. Moderator Jochen Breyer hatte aus dem WM-Studio im Berliner Zollernhof seinen neuen Experten Christian Streich vorgestellt und eine „kurze Pause“ angekündigt, bevor man in die Live-Übertragung umschalten wolle. Aus der kurzen Pause wurde eine lange. Auf X klagten Zuschauer, das ZDF habe „erst 20 Minuten später die Eröffnungsfeier“ gezeigt „und stattdessen Werbung“, wie ein Nutzer der Heilbronner Stimme zitiert wurde. Andere verwiesen darauf, dass MagentaTV die komplette Zeremonie werbefrei übertrug. Eine Stellungnahme des Senders lag am Abend nicht vor.

Streich-Debüt mit klarer FIFA-Kritik

Inhaltlich rettete den ZDF-Auftakt ausgerechnet jener Mann, dessen Premiere im Studio den Werbeblock erst nötig gemacht hatte. Christian Streich, von 2012 bis 2024 Cheftrainer des SC Freiburg, gab als neuer WM-Experte sein Debüt. Vor dem Anpfiff bekam er vom Studio ein „Happy Birthday“ gesungen, in der Sache aber lieferte er die markigsten Sätze des Abends. Über die Inszenierung von FIFA-Chef Gianni Infantino an der Seite von US-Präsident Donald Trump sagte Streich laut dpa: „Eine solche Inszenierung von wenigen Menschen an der Macht, die sich dann teilweise noch die Behauptung erlauben, sie würden demokratische Werte schützen, ist natürlich eine Unverfrorenheit, die einen sprachlos macht.“ Auch die Ticketpreise der FIFA nannte er „pervers“ und „dermaßen elitär“, dass Menschen unterschiedlicher Schichten kaum noch gemeinsam ins Stadion kämen.

Was da aktuell bei der WM mit den Tickets passiert, ist pervers: Profitmaximierung um jeden Preis und eben auf Kosten vieler Menschen.
- Christian Streich, ZDF-WM-Experte, dpa

Streich ergänzt das Quartett aus den Weltmeistern Per Mertesacker und Christoph Kramer, der Trainerin Friederike Kromp und Schiedsrichter-Experte Thorsten Kinhöfer. ZDF-Sportchef Yorck Polus hatte den Ex-Freiburger als „einen besonderen Trainertyp, der für klare Worte bekannt ist“ angekündigt. Den 48er-Modus verteidigte Streich ausdrücklich, weil kleinere Verbände wie Curaçao davon sportlich und finanziell profitierten - eine Spitze gegen das, was er „Herrschaftsdenken der Mächtigen“ nannte.

ZDF schweigt, Konkurrenz triumphiert

Für die öffentlich-rechtliche Bilanz des ersten WM-Tages bleibt der Werbestolperer der unangenehme Teil. Schon vor dem Anpfiff hatte das ZDF mit dem Aztekenstadion einen Schauplatz präsentiert, der in Deutschland Erinnerungswerte trägt: Das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika gewann der Gastgeber 2:0. Bei der TV-Premiere des Turniers zog der Sender den Kürzeren gegen den Pay-TV-Konkurrenten - und gegen das eigene Programmschema. Zur Übertragung des deutschen WM-Auftakts am Samstag gegen Curaçao aus Houston wird das ZDF erklären müssen, wie ein solcher Pausen-Patzer in einem 24-stündig durchgeplanten Großturnier ausgerechnet zur weltweit übertragenen Eröffnungsfeier möglich war.