Leo Neugebauer ist am Mittwochabend im Alexander Stadium von Birmingham Zehnkampf-Europameister geworden. Der Weltmeister vom VfB Stuttgart siegte mit 8.611 Punkten vor seinem Mainzer Landsmann Niklas Kaul, der auf 8.573 Zähler kam. Bronze ging mit 8.433 Punkten an den Norweger Sander Skotheim. Es ist der erste deutsche Zehnkampf-Doppelsieg bei einer Europameisterschaft seit 1969, als in Piräus Joachim Kirst vor Herbert Wessel gewann.
Die Entscheidung fiel erst in der letzten Disziplin. Neugebauer ging als Führender in den abschließenden 1.500-Meter-Lauf, musste den Rückstand zum sprintstärkeren Kaul aber unter 23 Sekunden halten. Der 26-Jährige quälte sich in 4:38,60 Minuten über die Bahn und taumelte auf den letzten 50 Metern förmlich ins Ziel. Kaul zog auf dem letzten Drittel noch einmal an und lief mit 4:20,70 Minuten deutlich schneller als Neugebauer, für den Sprung an die Spitze reichte es aber nicht mehr.
Leo ist am Ende Europameister geworden. Dafür musste er am Ende schon noch richtig laufen.
„Die letzte Runde auf den 1.500 Metern hat richtig wehgetan. Auf den letzten 50 Metern wollten die Beine einfach nicht mehr“, sagte Neugebauer nach dem Rennen. Der Diskuswurf am Morgen mit 54,31 Metern und das Kugelstoßen mit 17,13 Metern waren die tragenden Säulen seines Wettkampfs. Kaul kompensierte seine schwächeren Wurfdisziplinen wie schon bei seinem WM-Gold 2019 mit dem Speer: 73,54 Meter reichten in Birmingham für die beste Weite des Feldes.
Gräber komplettiert das deutsche Ergebnis
Amadeus Gräber von Eintracht Frankfurt landete mit 8.162 Punkten auf Rang acht und rundete das beste deutsche Mannschaftsergebnis in der Disziplin seit langem ab. „Es war ein wunderschöner Wettkampf. Den Moment teilen zu können, wenn Leo und Niklas Gold und Silber gewinnen und man selbst Achter wird, ist überwältigend“, sagte Gräber im Interview mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband.
Für Neugebauer ist es nach der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris und dem WM-Titel 2025 in Tokio der dritte große Titel binnen zwei Jahren. Kaul, Weltmeister von 2019 und Europameister von 2022, kehrt mit seiner ersten EM-Medaille seit der Titelverteidigung von München zurück in die Weltspitze. „Ich habe auf den 1.500 Metern alles probiert, war aber schon nach 400 Metern ziemlich kaputt“, sagte er nach dem Zieleinlauf.
Das deutsche Team steht damit nach Tag vier bei zwei Gold-, einer Silber- und drei Bronzemedaillen. Die EM in Birmingham läuft noch bis Sonntag.