Das Erste hat am Mittwochabend um 20:15 Uhr „Zero“ wiederholt, die Verfilmung von Marc Elsbergs gleichnamigem Bestseller. Heike Makatsch spielt darin die Online-Journalistin Cynthia Bonsant, die einer Hackergruppe namens Zero auf die Spur kommt, während ihre Tochter vom Algorithmus-Konzern Freemee in Berlin eingespannt wird. Der WDR-Film aus dem Jahr 2021 stand zur besten Sendezeit auf Platz eins der Wikipedia-Trends in Deutschland - ein klassischer Sendeplatz-Effekt, der diesmal aber an einem aktuellen Diskurs andockt.
Regie führte Jochen Alexander Freydank, das Drehbuch schrieb Johannes W. Betz. Neben Makatsch sind Sabin Tambrea als Freemee-Stratege Carl Montik, Axel Stein als Chefredakteur und Pit Bukowski als titelgebender Hacker Zero zu sehen. Die literarische Vorlage „Zero - Sie wissen, was du tust“ erschien 2014 und zeichnete das Bild einer App, die ihren Nutzerinnen und Nutzern für jede Lebenssituation die scheinbar optimale Handlung empfiehlt - bis aus Empfehlung Manipulation wird.
Vom Sci-Fi-Stoff zur Alltagsdebatte
Als der Film 2021 zum ersten Mal lief, galt das Setting noch als Zukunftsentwurf. Fünf Jahre später überlappt die Handlung mit den realen Plattformdebatten der Gegenwart: TikToks Empfehlungsalgorithmus steht in mehreren EU-Verfahren wegen suchterzeugender Mechanismen, generative KI-Systeme von OpenAI und Google formen, was Nutzer als nächstes lesen, sehen oder kaufen, und die Frage nach Verantwortung beim Einsatz solcher Systeme prägt die Aushandlung des EU-AI-Acts. Netzwelt bezeichnete den Stoff schlicht als „Black Mirror für die ARD“.
Die Kritik bleibt zwiespältig. Tilmann P. Gangloff schrieb in seiner Besprechung auf tittelbach.tv, der Film sei „optisch und inhaltlich recht unterkomplex ausgefallen“. Es gelinge Freydank „nicht, die notwendige Empathie für die Figuren entstehen zu lassen“. Auch Eric Leimann von Prisma kreidete der Adaption an, sie verlasse sich zu sehr auf konventionelle Thriller-Mechanik und bleibe „weitgehend vorhersehbar“. Gelobt wurde dagegen die Hauptdarstellerin: Makatschs Journalistin trage das Stück über weite Strecken allein.
Optisch und inhaltlich recht unterkomplex ausgefallen.
Bemerkenswert ist die Frage, die der Stoff ins Heute trägt: das, was Gangloff das „Ende des freien Willens“ nannte. Wenn eine App weiß, welcher Job, welcher Partner und welche politische Meinung statistisch zu dir passen - bleibt dann eine Entscheidung, die diesen Namen verdient? Genau diese Linie hatten zuletzt auch Papst Leo XIV. in seiner KI-Enzyklika und das EU-Parlament in den Verhandlungen über transparente Empfehlungssysteme gezogen. Der ARD-Sendeplatz für „Zero“ am Pfingstwochenende fiel insofern in einen aufgeladenen Moment.
Wer den Film verpasst hat, findet ihn in der ARD-Mediathek; die Verfügbarkeit ist nach Senderangaben bis Ende Mai 2027 vorgesehen. Marc Elsbergs Roman bleibt im Goldmann Verlag lieferbar - der Autor hat seit 2014 mit „Blackout“, „Helix“, „Greed“ und „Celsius“ weitere Technologie-Thriller veröffentlicht, die alle nach demselben Prinzip funktionieren: ein realistisches Was-wäre-wenn, das ein paar Jahre später nicht mehr ganz so fiktiv klingt.