Alexander Zverev hat in der Nacht zum Montag seinen ersten Grand-Slam-Titel gewonnen. Der Hamburger setzte sich im Endspiel von Roland Garros mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 (5:7), 6:1 gegen den Italiener Flavio Cobolli durch. Nach 4:16 Stunden auf dem Court Philippe-Chatrier verwandelte Zverev am späten Sonntagabend den ersten Matchball, ließ sich auf den roten Sand sinken und weinte. Wie wir am Samstag nach seinem Halbfinal-Sieg gegen Jakub Mensík berichteten, war es bereits sein viertes Grand-Slam-Endspiel - drei hatte er zuvor verloren, dieses gewann er.

Das Finale begann einseitig. Zverev brach Cobolli zweimal und holte den ersten Satz nach laut Eurosport rund 35 Minuten zu 6:1. Im zweiten Durchgang fand der Italiener nach kurzer Kabinenpause besser ins Spiel, brach Zverev zum 4:3 und glich zum 6:4 aus. Den dritten Satz entschied der Weltranglistendritte mit einem späten Break zum 6:4. Boris Becker, der das Match als Sky-Experte begleitete, nannte das aggressive Spiel am Netz „genau das, was den neuen Zverev ausmacht“, wie Eurosport in seinem Liveticker zitierte.

Im vierten Satz wankte das Match. Zverev kassierte direkt ein Break, ließ sich am rechten Oberschenkel vom Physiotherapeuten behandeln und kämpfte sich beim Stand von 4:5 zum Tiebreak. Den verlor er 5:7. Die Sportschau zeigte einen sichtlich angeschlagenen Spieler, der zwischen den Punkten an die Bande lief. Im fünften Satz brach Zverev Cobolli jedoch sofort und führte 3:0, bevor der Italiener körperlich einbrach und reihenweise Smashes ins Aus setzte. Den Schlusspunkt setzte ein verzogener Volley des Italieners.

Dieser Platz ist sehr besonders für mich. Endlich gibt es das Happy End.
- Alexander Zverev im On-Court-Interview nach dem Matchball, zitiert von Eurosport

Drei verlorene Finals, dann das Happy End

Für Zverev war es der vierte Anlauf auf einen Major-Titel. 2020 verlor er das US-Open-Endspiel gegen Dominic Thiem in fünf Sätzen, 2024 unterlag er in Paris Carlos Alcaraz, in Melbourne 2025 schlug ihn Jannik Sinner. Diesmal hatte sich die obere Hälfte des Tableaus früh geöffnet: Sinner, Alcaraz und Novak Djokovic schieden allesamt vor dem Halbfinale aus. Sky Sport Austria sprach vor dem Finale von der „wohl realistischsten Chance“ des 29-Jährigen. Boris Becker, vor Zverev einer von zwei deutschen Männern mit Major-Titel in der Open Era, kommentierte den Triumph gegenüber t-online mit den Worten: „Er hat es mehr als verdient. Nach all den Jahren, der Arbeit, der Verzweiflung, der Enttäuschung. Unfassbar, ich bin sehr stolz auf ihn.“

Erster deutscher Paris-Sieger seit Henkel 1937

Mit dem Triumph ist Zverev der fünfte deutsche Grand-Slam-Sieger der Open Era, nach Boris Becker, Michael Stich, Steffi Graf und Angelique Kerber. Bei den Herren ist er der dritte deutsche Major-Champion seit 1968. Für Paris muss man noch weiter zurück: Der letzte deutsche Roland-Garros-Sieger im Männer-Einzel hieß Henner Henkel und gewann 1937, also 89 Jahre vor Zverev. Boris Beckers letzter Major-Titel, der Triumph in Melbourne 1996, liegt drei Jahrzehnte zurück. Die Bild titelte am Sonntagabend in ihren Pressestimmen: „Sascha, jetzt bist du ein Vollendeter“.

In der Spielerbox saßen Zverevs Eltern und sein Bruder Mischa. Freundin Sophia Thomalla war wegen beruflicher Verpflichtungen nicht in Paris. Wie t-online berichtet, reist sie aus Aberglauben nur dann an, wenn sie ein Turnier von Beginn an begleiten kann. Nach dem letzten Ballwechsel umarmten sich Zverev und Cobolli am Netz; der Italiener, der unter Tränen sein erstes Grand-Slam-Finale verloren hatte, sagte zu seinem Gegner laut Eurosport: „Wenn einer den Titel verdient, dann du.“ Zverev erhält für den Sieg in Paris ein Preisgeld von 2,55 Millionen Euro und 2000 Punkte für die Weltrangliste, mit denen er an Sinner und Alcaraz heranrücken kann.