Alexander Zverev hat am Sonntagabend in Paris seinen ersten Grand-Slam-Titel gewonnen. Auf dem Court Philippe Chatrier setzte sich der 29-jährige Hamburger gegen den Italiener Flavio Cobolli mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 (5:7), 6:1 durch. Nach vier Stunden und 16 Minuten verwandelte Zverev den Matchball, ließ den Schläger fallen und brach auf dem Sand zusammen. Es ist der erste Major-Titel eines deutschen Tennisprofis seit Boris Beckers Sieg bei den Australian Open 1996, der erste eines Deutschen in Roland Garros überhaupt in der offenen Ära.

Der zweitgesetzte Zverev startete furios und holte sich den ersten Satz nach 36 Minuten mit 6:1. Cobolli, im Finale eines Grand-Slam-Turniers zum ersten Mal überhaupt, fand erst im zweiten Durchgang ins Spiel und glich aus. Den dritten Satz entschied Zverev mit einem späten Break zu seinen Gunsten. Der vierte Satz wurde zum Drama: Cobolli erzwang das Tiebreak und gewann es 7:5, während Zverev zwischendurch die Oberschenkel von einem Physiotherapeuten massieren lassen musste. Im fünften Satz brach der Widerstand des Italieners endgültig - 6:1 in 28 Minuten.

Wenn mich jemand gefragt hat, wer diesen Titel mehr verdient als du, habe ich immer gesagt: Du!
- Flavio Cobolli bei der Siegerehrung, Eurosport

Bei der Übergabe der Coupe des Mousquetaires durch den Italiener Adriano Panatta wirkte Cobolli, der in der Weltrangliste auf Platz zehn geführt wurde, gefasst und großzügig. „Es ist nicht einfach für mich, jetzt zu sprechen“, sagte der 23-Jährige laut Eurosport-Ticker und nannte das Turnier die beste Woche seines Lebens. Boris Becker, der als Eurosport-Experte im Studio saß, kommentierte den Punkt zum Matchgewinn mit den Worten „Ein Lebenstraum geht in Erfüllung“. An anderer Stelle sagte er: „Das ist unglaublich, ich bin sehr stolz auf ihn.“ Becker selbst war 1996 der bislang letzte deutsche Major-Sieger gewesen.

Vom Dauerfinalisten zum Sieger

Es war Zverevs vierter Grand-Slam-Endspiel-Auftritt nach den US Open 2020, Roland Garros 2024 und den Australian Open 2025 - alle drei hatte er verloren, zuletzt zweimal in Folge gegen Carlos Alcaraz und Jannik Sinner. „Ich will nicht als der beste Spieler enden, der nie einen Grand Slam gewonnen hat“, hatte er vor dem Turnier gegenüber Reportern erklärt. Im 41. Major-Anlauf seiner Profikarriere ist er nun der dritte Deutsche, der in der offenen Ära ein Grand-Slam-Einzelturnier gewinnt - nach Becker und Michael Stich, der 1991 in Wimbledon triumphiert hatte. In Roland Garros hatte vor ihm noch nie ein deutscher Spieler den Titel geholt.

In Zverevs Box saßen Vater und Trainer Alexander Zverev senior, Mutter Irina, sein älterer Bruder und Manager Mischa sowie Großmutter Natalia, die nach dem Tod ihres Mannes nach Europa nachgeholt worden war, wie er in der Turnierwoche der Eurosport-Redaktion erzählt hatte. Sein Bruder hatte am Sonntagabend in Paris bereits über die Vorbereitung gesprochen: kleine Routinen, Mario Kart vor dem Schlafengehen, möglichst wenig Aufregung. Nach dem Matchball lag Zverev minutenlang auf dem Boden, bevor er sich zur Familienbox aufrichtete.

Was der Titel verändert

Sportlich wird der Erfolg Zverev in der ATP-Weltrangliste enger an Spitzenreiter Sinner heranführen; das Preisgeld von 2,55 Millionen Euro ist das größte seiner Karriere. Wichtiger dürfte die psychologische Wirkung sein: Drei verlorene Endspiele, zuletzt mit dem Vorwurf, in entscheidenden Momenten nervös zu werden, hatten die öffentliche Wahrnehmung geprägt. Mit dem Sand von Paris an den Knien hat Zverev diese Etiketten am Sonntag im fünften Satz hinter sich gelassen.