London - Am Sonntag um 17 Uhr MESZ steht Alexander Zverev im Wimbledon-Finale gegen Jannik Sinner - und die nackten Zahlen stehen gegen ihn. Der direkte Vergleich mit dem Weltranglistenersten steht bei 4:10, die vergangenen neun Aufeinandertreffen entschied der Italiener durchweg für sich. Der Hamburger geht als Weltranglistendritter und amtierender French-Open-Sieger ins Endspiel, doch Titelverteidiger Sinner hat auf Rasen in Wimbledon 2026 seit seinem verkorksten Zweitrunden-Aus in Paris kein Match verloren.

Zverev hat sich seinen ersten Wimbledon-Finaleinzug am Freitag mit einem 7:6 (7:0), 6:2, 6:4 gegen den britischen Wildcard-Spieler Arthur Fery gesichert. Sinner setzte sich anschließend gegen Novak Djokovic in drei Sätzen mit 6:4, 6:4, 6:4 durch. Nach 2:20 Stunden verwandelte der Weltranglistenerste seinen ersten Matchball, wie die Sportschau berichtete. Es war Sinners 99. Grand-Slam-Match-Sieg, sein zehntes Grand-Slam-Endspiel - und der Auftakt zum Versuch, seinen Wimbledon-Titel zu verteidigen.

Vor allem die jüngere Vergangenheit auf dem Platz drückt: In Australien 2025 verlor Zverev das Grand-Slam-Finale gegen Sinner in drei Sätzen, seither hat er keinen Satz mehr gegen ihn gewonnen. Der Deutsche selbst hat den Weltranglistenersten in seinen Kommentaren zuletzt offen zum Maßstab erklärt. Auf die Frage, warum Sinner ihm neun Duelle in Folge abgenommen hat, sagte Zverev vor Wochen laut Puntodebreak, er sei „nicht einer, der eine Superyacht oder zwanzig Ferraris“ habe - eine Spitze, aber auch ein Eingeständnis der aktuellen Kräfteverhältnisse an der Weltspitze.

Wenn du ein Major gewonnen hast, weißt du, wie es geht. Und du hast das Gefühl, es wieder tun zu können.
- Alexander Zverev, Pressekonferenz nach dem Halbfinale (Eurosport)

Der French-Open-Effekt

Was für Zverev spricht, ist die Woche vom 7. Juni. In Paris bezwang er Flavio Cobolli in fünf Sätzen und beendete eine Wartezeit, die drei verlorene Grand-Slam-Finals lang gedauert hatte. Der Effekt sei spürbar, sagte Zverev nach dem Halbfinale gegen Fery in der Pressekonferenz, wie Eurosport dokumentierte. „Wenn du ein Major gewonnen hast, weißt du, wie es geht. Und du hast das Gefühl, es wieder tun zu können.“ Auch mit dem Rasen komme er in dieser Saison zurecht: „Wenn ich diesen Schlag gut treffe, spiele ich gut. Gelingt mir das nicht, bin ich schlagbarer“, sagte er zu seiner Vorhand - der Schlag, den er zuletzt technisch überarbeitet hatte.

Sinner wiederum betritt London mit Rückenwind, aber auch mit Nachhol-Motivation. Sein Zweitrunden-Aus bei den French Open galt als Schock des Turniers. Vor dem Wimbledon-Auftakt hatte er erklärt, sein Niveau steigern zu müssen: „Ich weiß, dass ich ihn schlagen kann, wenn ich gut spiele. Aber ich weiß auch sehr gut, dass ich verlieren kann“, sagte er über Djokovic, wie Eurosport zitierte. Gegen den Serben ließ er im Halbfinale kein Break zu. Fünf Grand-Slam-Titel wären das Ergebnis eines Sieges am Sonntag - und ein Platz in der Reihe der zehn Spieler seit 1968, die zwei Wimbledon-Titel in Serie geholt haben.

Frei auf Prime Video

Für das deutsche Publikum ist die Übertragung offen zugänglich: Amazon Prime Video zeigt das Finale in Deutschland und Österreich kostenlos, nach eigenen Angaben reicht ein kostenloses Amazon-Konto zur Anmeldung. Sender wie ARD und ZDF halten keine Rechte am Turnier. Zverev sagte nach dem Halbfinale, was die 31 Jahre ohne deutschen Finalisten seit Boris Becker angeht: „Ich bin unglaublich glücklich und stolz. Mit diesem Grand Slam hatte ich immer am meisten zu kämpfen. Ich habe aber noch ein Match vor mir.“ Am Sonntag hat er die Chance, dieses Match zu gewinnen - gegen den Gegner, der ihn in dieser Karrierephase am häufigsten geschlagen hat.