Zwei Tage nach seinem ersten Grand-Slam-Titel hat Alexander Zverev seinen Wimbledon-Plan auf ein einziges Vorbereitungsturnier zusammengestrichen. Der Hamburger verzichtet auf die BOSS Open in Stuttgart, die noch bis Sonntag laufen, und steigt erst beim ATP-500-Turnier in Halle/Westfalen zwischen 15. und 21. Juni in die Rasensaison ein. Der Center Court in Wimbledon öffnet am 29. Juni.
Die Stuttgarter Veranstalter hatten Zverevs Absage bereits am frühen Abend des 5. Juni erhalten, kurz nachdem der Weltranglistendritte in Paris den Halbfinaleinzug perfekt gemacht hatte. Turnierdirektor Edwin Weindorfer reagierte verständnisvoll. „Dass Alexander Zverev seinen ganzen Fokus jetzt auf die French Open legt, ist nur allzu verständlich und nachvollziehbar“, sagte Weindorfer der Stuttgarter Zeitung. Am Sonntag schlug Zverev dann Flavio Cobolli in fünf Sätzen und holte den Titel auf der Pariser Asche.
Eine Woche Pause statt Rasen-Doppelturnier
Mit der Absage entscheidet sich Zverev gegen das Konzept vieler Rivalen, die Stuttgart und Halle als Doppelpack nutzen. Er setze nach dem körperlich zehrenden Pariser Finale auf Erholung, ehe er sich beim Heimspiel in Ostwestfalen auf Gras einspielt. In Halle steht er als Topgesetzter an Position eins der Setzliste, gefolgt von Felix Auger-Aliassime, Vorjahressieger Alexander Bublik und Daniil Medwedew. Das Preisgeld liegt bei rund 2,58 Millionen Euro.
In Wimbledon ist die Hürde riesig.
Zverev selbst weiß, dass der Erfolg von Paris ihn auf Gras nicht automatisch zum Favoriten macht. Über das Viertelfinale ist er in Wimbledon noch nie hinausgekommen. „In Wimbledon ist die Hürde riesig“, räumte er nach dem Pariser Triumph gegenüber t-online ein. Das einzige Vorbereitungsturnier in Halle soll Belag-Umstellung und Rhythmus liefern, ohne den Akku vor der nächsten Major-Belastung wieder zu leeren.
Stuttgart trifft die Absage-Serie hart
Für die BOSS Open ist Zverevs Streichung nicht die einzige schlechte Nachricht der Vorwoche. Auch Finalgegner Cobolli sagte ab, und das deutsche Nachwuchstalent Justin Engel zog seine Meldung wegen anhaltender Ellbogenprobleme zurück, wie die Stuttgarter Nachrichten berichten. Weindorfer, der schon 2024 schärfere Sanktionen für kurzfristige Absagen gefordert hatte, gab sich diesmal pragmatisch. ATP-Strafen drohen Zverev nach Branchenangaben nicht: Sein Tour-Kontingent an straffreien Rückzügen ist mit der Hamburg-Absage aus dem Frühjahr nicht erschöpft, und 250er-Sanktionen schrecken die Spitze ohnehin kaum ab, wie die Stuttgarter Zeitung analysiert.