Alexander Zverev hat am Sonntagabend in New York seinen ersten US-Open-Titel gewonnen. Im Finale gegen den US-Amerikaner Ben Shelton setzte sich der 29-Jährige aus Hamburg im Arthur Ashe Stadium mit 6:3, 7:6 (2), 5:7, 6:2 durch. Nach drei Stunden und 33 Minuten verwandelte Zverev seinen zweiten Matchball und ist damit der erste Deutsche seit Boris Becker 1989, der den letzten Grand-Slam-Titel des Jahres nach Deutschland holt - 37 Jahre nach Beckers Sieg gegen Ivan Lendl.
Es ist Zverevs zweiter Grand-Slam-Titel binnen drei Monaten. Im Juni hatte er in Paris gegen Flavio Cobolli die French Open gewonnen, in Wimbledon erreichte er das Finale. „Wir haben fast 30 Jahre keinen Grand Slam gewonnen und jetzt zwei in drei Monaten“, sagte Zverev nach dem Match. „Ich bin sehr stolz auf meine Familie.“ Die Bild titelte am Montag mit „Giganten-Triumph“, der Spiegel sprach von einer „nahezu makellosen Leistung“.
Ich weiß, dass heute 99,9 Prozent der Zuschauer wollten, dass Ben gewinnt. Es tut mir zuerst leid. Aber ihr habt eine unglaubliche Atmosphäre geschaffen, auch wenn das Publikum gegen mich war.
Im ersten Satz brach Zverev Sheltons Aufschlag zweimal und dominierte mit einer Quote von 94 Prozent gewonnenen Punkten bei erstem Aufschlag. Im Tiebreak des zweiten Satzes zog er auf 5:0 davon und beendete ihn mit 7:2. Erst im dritten Satz geriet der Weltranglistenerste ins Wanken: Beim Stand von 5:6 und 0:40 verlor er seinen Aufschlag und den Satz. Im vierten Satz brach Zverev sofort zurück, holte ein weiteres Break zum 4:2 und beendete das Match mit einem Aufschlagwinner. „Ich dachte, es steht 5:1 statt 6:2“, scherzte Zverev nach dem Match, „ich habe wohl kurz das Ergebnis vergessen.“ Für den Sieg erhielt er das Tiffany-&-Co.-Trophy und 5,5 Millionen Dollar Preisgeld.
Sheltons Respekt, Zverevs später Durchbruch
Für Shelton, mit 23 Jahren und der Nummer acht der Setzliste, war es das erste Grand-Slam-Endspiel. Der US-Amerikaner beendete damit eine 23-jährige Durststrecke amerikanischer Tennisspieler ohne Grand-Slam-Titel im Herren-Einzel nicht - nach dem Duell mit Frances Tiafoe im Halbfinale wäre er ohnehin der erste schwarze US-Finalist in Flushing Meadows seit Arthur Ashe 1972 gewesen. „Du bist vielleicht der beste Spieler in diesem Jahr“, sagte Shelton bei der Siegerehrung zu Zverev. „Du arbeitest härter als jeder andere. Du hast diesen Titel verdient.“ Zverev, der 2020 an gleicher Stelle das Finale gegen Dominic Thiem nach 2:0-Satzführung noch verloren hatte, wandte sich an sein Team: „Ich glaube, Gott hat gesehen, wie hart wir gearbeitet haben, wie viel Schmerz wir durchgemacht haben. 2026 ist das Ergebnis all der Jahre davor.“