Alexander Zverev spielt am Freitagabend im Halbfinale der US Open um seinen Einzug ins zweite New-Yorker Endspiel nach 2020. Um 21 Uhr deutscher Zeit trifft der 29-Jährige im Arthur Ashe Stadium auf den russischen Weltranglisten-50 Karen Chatschanow. Zverev, an Position eins gesetzt, hatte im Viertelfinale am Mittwoch den Niederländer Botic van de Zandschulp 6:2, 7:5, 6:1 abgefertigt und mit dem 23. Grand-Slam-Sieg der Saison einen deutschen Rekord aufgestellt: Bislang hielt Boris Becker mit 22 Erfolgen aus dem Jahr 1989 die Bestmarke.

Bei sporteurope.tv, wo er als Experte kommentiert, reagierte Becker auf die Statistik mit den Worten „Was eine Statistik“. Zverev, der im Juni die French Open gegen Flavio Cobolli gewonnen hatte, ist damit in einem Kalenderjahr erstmals in allen vier Grand-Slam-Turnieren mindestens ins Halbfinale eingezogen - eine Marke, die zuvor kein deutscher Spieler erreicht hatte. Nach 2020 und 2021 steht er in Flushing Meadows zum dritten Mal in der Vorschlussrunde. Vor sechs Jahren verlor er das Endspiel gegen den Österreicher Dominic Thiem, obwohl er bereits mit 2:0 Sätzen geführt hatte.

Ich finde es etwas komisch, dass Leute, die zwei Tage freihaben, jetzt nach uns spielen. Das habe ich in meinen zwölf Jahren auf Tour noch nie erlebt.
- Alexander Zverev, auf der Pressekonferenz nach dem Viertelfinale

Zwischen Viertel- und Halbfinale hat Zverev seinen Unmut über den Zeitplan öffentlich gemacht. Nach Angaben von t-online soll er nicht am Abend, sondern nachmittags gegen Chatschanow antreten - der Nachtslot geht an das rein amerikanische Halbfinale Frances Tiafoe gegen Ben Shelton. „Das spielt mir mit Sicherheit nicht in die Karten“, sagte Zverev laut Bericht. Alle seine bisherigen fünf Partien im Turnier hatte er unter Flutlicht im Arthur Ashe Stadium bestritten. Dass die amerikanischen Halbfinalisten zwei Tage Pause bekämen und trotzdem später aufschlügen, sei ihm neu: „Es sind zwei Amerikaner im Halbfinale, ich kann verstehen, dass sie abends spielen wollen“, ergänzte er versöhnlich.

Reprise des Olympiafinales - und ein zweites Halbfinale mit US-Hoffnungen

Die Begegnung mit Chatschanow ist keine Premiere. In Tokio 2021 gewann Zverev das olympische Endspiel gegen den Russen 6:3, 6:1 und holte Gold, im Head-to-Head führt er 6:3 aus neun ATP-Duellen. Chatschanow steht zum dritten Mal in einem Grand-Slam-Halbfinale, in New York zum zweiten Mal nach 2022; die Nummer 50 profitierte im Viertelfinale von der verletzungsbedingten Aufgabe des Belgiers Alexander Blockx beim Stand von 6:2, 7:5, 3:2. Zverev wird auch von den Buchmachern klar favorisiert, ein Sieg brächte ihn zum zweiten Grand-Slam-Titel binnen drei Monaten in Reichweite.

Im zweiten Halbfinale kämpfen mit Tiafoe und Shelton zwei US-Amerikaner um den Finaleinzug - ein Novum für den amerikanischen Tennisverband seit Jahren. In Deutschland ist Zverevs Match nicht im Free-TV zu sehen: Sky überträgt live, ebenso die Streamingdienste Sky Go, WOW und Sportdeutschland.TV. Sollte Zverev den Sprung ins Finale schaffen, wartet der Sieger der zweiten Halbfinal-Partie - und der bislang unerfüllte Traum vom ersten Grand-Slam-Titel auf Hartplatz.