Bei der Parlamentswahl auf Zypern hat die konservative Demokratische Gesamtbewegung (DISY) am Sonntag den ersten Platz verteidigt - die ultranationalistische ELAM zieht hingegen mit einem historischen Ergebnis ins Repräsentantenhaus ein. Nach Auszählung von rund 85 Prozent der Stimmen kommt DISY auf etwa 27,2 Prozent und 17 Mandate, während die linke AKEL mit 23,9 Prozent und 16 Sitzen knapp dahinter liegt. ELAM überholt die zentristische DIKO und stellt mit 10,9 Prozent künftig acht Abgeordnete.
Mehr als 568.000 Wahlberechtigte waren aufgerufen, in 1.217 Wahllokalen 56 Abgeordnete für die kommenden fünf Jahre zu bestimmen. Die Wahlbeteiligung lag laut Innenministerium bei 66,6 Prozent - trotz Regen und starken Winden auf der gesamten Insel. Das Repräsentantenhaus verfügt formell über 80 Sitze; die übrigen 24 Mandate bleiben jedoch seit 1963/64 wegen des Zypernkonflikts und der türkischen Besetzung des Inselnordens vakant.
Mit dem Blick auf die besetzten Gebiete wählen - das ist heute unsere Aufgabe.
ELAM wird zum möglichen Königsmacher
Der Aufstieg der ELAM, der vom Wahlbarometer der Republik bereits angekündigt worden war, gilt als markantester Befund dieses Wahlsonntags. Die Partei, die sich aus dem Umfeld der zypriotischen Schwesterorganisation der griechischen Chrysi Avgi gründete, hat ihren Stimmenanteil seit der vergangenen Wahl 2021 deutlich ausgebaut. Beobachter zählen sie zu den potenziellen Königsmachern bei den anstehenden Koalitionsgesprächen, auch wenn die etablierten Parteien eine Zusammenarbeit bislang ablehnen.
Für Präsident Nikos Christodoulidis bedeutet der Ausgang einen Dämpfer. Die ihn stützenden Zentrumsparteien haben Federn lassen müssen, die DIKO rutscht auf rund zehn Prozent ab. Der parteilose Staatschef regiert seit 2023 in einer Konstellation, in der das Parlament vor allem Kontrollfunktion ausübt - die Regierungsbildung obliegt verfassungsgemäß ihm selbst. Dennoch wirkt sich die neue Sitzverteilung auf Gesetzgebung und Haushalt aus, etwa bei den umstrittenen Themen Migration und Bekämpfung der Korruption, die den Wahlkampf dominiert hatten.
Vorgeschmack auf 2028
Politische Analysten werten das Ergebnis als Stimmungstest vor der Präsidentschaftswahl 2028. Die zypriotische Tageszeitung „Cyprus Mail“ hatte vor der Abstimmung von „einem der am härtesten umkämpften Wahlkämpfe der jüngeren Geschichte“ gesprochen, geprägt von Protesten, schwindender Parteibindung und einer Rekordzahl von 744 Kandidatinnen und Kandidaten. Endgültige Ergebnisse werden für Montag erwartet.