Die Bundesrepublik hat im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 9663 Menschen abgeschoben. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Leif-Erik Holm hervor, die der Deutschen Presse-Agentur am Freitag vorlag. Gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025, in dem mehr als 11.800 Ausreisepflichtige zurückgeführt worden waren, entspricht die aktuelle Zahl einem Rückgang von rund 18 Prozent.
Zusätzlich reisten nach BMI-Angaben von Januar bis Ende Juni 9276 Menschen mit Unterstützung des Bund-Länder-Programms REAG/GARP freiwillig aus. Zusammengerechnet liegt die Zahl der beendeten Aufenthalte damit rechnerisch bei rund 18.900 Fällen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 hatte das BMI etwa 22.800 Abschiebungen registriert, das war der höchste Wert seit über einem Jahrzehnt.
Der Rückgang steht in Kontrast zur politischen Zielsetzung der schwarz-roten Koalition. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) haben die Migrationswende zu einem Kernversprechen erklärt. Die Zahlen des ersten Halbjahrs übersteigen zwar den Wert aus dem Vergleichszeitraum 2024, als knapp 9500 Menschen abgeschoben worden waren, bleiben aber deutlich hinter der Vorjahresbilanz zurück.
AfD nennt Kurs „Rohrkrepierer“, Minister verteidigt Linie
Der AfD-Innenpolitiker Leif-Erik Holm, auf dessen Anfrage die Zahlen zurückgehen, wertete das Ergebnis als Beleg dafür, dass die Bundesregierung ihr eigenes Versprechen verfehle. „Die ganze Migrationspolitik ist ein Desaster“, sagte Holm der dpa. Die von der Union angekündigten Abschiebeoffensiven seien „reine Rohrkrepierer“. Dobrindt hatte den Kurs seines Hauses in den vergangenen Wochen wiederholt verteidigt und ihn Ende Juli auf der CSU-Sommerklausur im Kloster Banz zusammengefasst.
Wer ein Asylverfahren negativ durchlaufen hat, verpflichtend ausreisepflichtig ist, der muss natürlich auch damit rechnen, dass diese Ausreise dann auch erwirkt wird.
Dobrindt begleitete den Auftritt mit dem Slogan, die Bundesregierung treibe die Migrationswende „mit Kontrolle, Kurs und klarer Kante“ voran. Zur Untermauerung des Kurses hatte das Ministerium wenige Tage zuvor die Abschiebung von 31 afghanischen Männern per Charterflug organisiert und verteidigt - erstmals seien darunter auch Personen ohne Vorstrafe gewesen, die als Gefährder eingestuft wurden. Menschenrechtsorganisationen kritisierten den Flug scharf.
Wie viele der Rückführungen in EU-Nachbarländer erfolgten und welche Zielstaaten das Ministerium in seiner Halbjahresbilanz auflistet, veröffentlicht das BMI in dieser Legislaturperiode traditionell erst mit der Jahresbilanz. Die aktuelle Antwort an Holm nennt zusätzlich die Zahl abgesagter Rückführungen aus organisatorischen Gründen; sie liegt nach dpa-Angaben im niedrigen vierstelligen Bereich. Ein detaillierter Bericht wird zur Herbstsitzung des Bundestags-Innenausschusses erwartet.