Die AfD hat am Samstag in Erfurt drei neue Stellvertreter für ihren Bundesvorstand gewählt. Stefan Möller, Landessprecher aus Thüringen und enger Vertrauter von Björn Höcke, holte mit 76,5 Prozent das beste Ergebnis. Der Nordrhein-Westfale Sven Tritschler setzte sich mit 50,7 Prozent knapp gegen den bisherigen Amtsinhaber Kay Gottschalk durch, der auf 36,1 Prozent kam. Als dritte Vizechefin bestätigten die Delegierten die bayerische Landtagsfraktionschefin Katrin Ebner-Steiner mit 55,7 Prozent, wie die Hasepost berichtet.
Damit rückt neben Alice Weidel und Tino Chrupalla eine komplett neu besetzte Führungsriege in die zweite Reihe. Zwei der drei Vizes gelten als Vertraute Höckes, der auf dem Parteitag den ideologischen Ton setzte. Der Tagesspiegel beschreibt die neue Konstellation als klaren Rechtsruck: „Die AfD ist mit der neuen Zusammensetzung weiter nach rechts gerückt“, schreibt das Blatt in seiner Analyse. Weidel hatte am Vortag mit 81,3 Prozent das mit Abstand beste Ergebnis der Spitzenwahlen eingefahren, Chrupalla nur 70,05 Prozent - beide bleiben Bundessprecher, doch das Kräfteverhältnis hat sich verschoben.
Imperial March aus versteckten Boxen
Für Kopfschütteln im Saal sorgte während der Auszählung der Vize-Wahlen ein akustischer Zwischenfall. Aus versteckten Bluetooth-Boxen ertönte der „Imperial March“ aus Star Wars - jenes Musikstück, das im Film den Auftritt von Darth Vader begleitet. Die Polizei stellte nach eigenen Angaben insgesamt vier Lautsprecher sicher, die zwischen Verkleidung und Wand der Messehalle versteckt worden waren. „Unsere Einsatzkräfte konnten insgesamt vier Bluetooth-Lautsprecher sicherstellen“, teilten die Behörden mit. Wer die Geräte platziert hatte und wie sie in den kontrollierten Saal gelangten, war zunächst unklar. Zu der Aktion bekannte sich niemand.
Die Musik sei „nicht laut, aber deutlich hörbar“ gewesen, berichtete ein t-online-Reporter aus dem Saal. Redner auf der Bühne setzten ihre Beiträge fort, in den Delegiertenreihen habe es Lachen und Kopfschütteln gegeben. Chrupalla hatte am Freitag noch die Blockadeversuche vor der Messe kommentiert - „Die Störer von der Antifa haben ihren eigenen Störversuch verschlafen“, sagte er nach dem ersten Sitzungstag. Der Vorfall im Saal traf die AfD-Führung dann doch überraschend.
Höcke-Lager gestärkt
Der Wartburgkreis-Abgeordnete Möller sitzt seit 2014 gemeinsam mit Höcke an der Spitze des Thüringer Landesverbands und zog 2025 in den Bundestag ein. Mit seiner Wahl als Stellvertreter verankert der als besonders radikal geltende Landesverband seinen Einfluss auch auf Bundesebene. Ebner-Steiner, die die bayerische AfD-Fraktion im Landtag führt, wird ebenfalls dem Höcke-Umfeld zugerechnet; ihr bisheriger Widersacher Peter Boehringer verzichtete auf eine Kandidatur.
Nur Tritschler steht für das Weidel-Lager. Sein Duell mit Gottschalk verlief hart: In der Abstimmung entfielen auf den Nordrhein-Westfalen 50,7 Prozent, auf den bisherigen Vize 36,1 Prozent. Damit ist die Führungsriege 2:1 dem Höcke-Flügel zugerechnet, wenn man die Spitzenwahlen einbezieht. In der taz-Analyse fasst ein Beobachter zusammen: Das Weidel-Lager habe die Spitzenposten gehalten - unterhalb dieser Ebene dominiere der Rechtsaußen-Flügel den Bundesvorstand.
Der Bundesparteitag wird am Sonntag mit der Antragsberatung fortgesetzt. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem ein Antrag zur stärkeren Einbindung der Parteijugend Generation Deutschland und die bereits am Freitag zurückgezogene Debatte um die Unvereinbarkeitsliste. Die neue Führung tritt ihr Amt mit einer klaren personellen Botschaft an - und einer Melodie aus dem Universum von Darth Vader im Nachhall.