Die AfD hat auf ihrem Bundesparteitag in Erfurt am Samstag ihre Doppelspitze bestätigt, allerdings mit deutlich unterschiedlichen Ergebnissen für die beiden Vorsitzenden. Alice Weidel erhielt nach Angaben der Parteitagsleitung 81,3 Prozent der Delegiertenstimmen, Tino Chrupalla kam auf 70,5 Prozent. Für Chrupalla bedeutet das einen Absturz um rund zwölf Punkte gegenüber seinem Ergebnis beim Essener Parteitag 2024, wie die Pforzheimer Zeitung und watson berichten.
Weidel selbst legte damit leicht zu. Bei ihrer Wiederwahl gab es nach Angaben der taz 168 Nein-Stimmen. Gegenkandidaten hatte weder für den Vorsitz noch für die Stellvertretungen jemand aufgestellt. Zuvor hatten die Delegierten in einem gesonderten Votum mit klarer Mehrheit dafür gestimmt, an der Doppelspitze festzuhalten. Neu in den Bundesvorstand rückt der Thüringer Landeschef Stefan Möller, der als enger Vertrauter von Björn Höcke gilt und wie dieser vom Landesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird.
Weidel greift Merz und Grenzpolitik an
In ihrer Rede in der Erfurter Messehalle attackierte Weidel Kanzler Friedrich Merz frontal. „Wir werden die Grenzen schließen, Straftäter und Illegale haben innerhalb von Deutschland nichts mehr verloren“, sagte sie unter Beifall der Delegierten. Die Bundesregierung nehme das Thema Migration nicht ernst, so Weidel: „Nichts zum Ende der Massenmigration, stattdessen Attestpflicht am ersten Arbeitstag! Mehr kann man seine Missachtung nicht ausdrücken!“ Merz kündige „für alle vier Jahreszeiten“ Reformen an, so die Vorsitzende laut Pforzheimer Zeitung, geliefert werde am Ende jeweils nur „ein Streicherkonzert“.
Wir werden die Grenzen schließen, Straftäter und Illegale haben innerhalb von Deutschland nichts mehr verloren.
Chrupallas Rede fiel nach übereinstimmender Beobachtung der Berichterstatter deutlich verhaltener aus. Der Wahlkämpfer aus Sachsen betonte seine Rolle für die ostdeutschen Landesverbände: „Ich gebe dem Osten eine starke Stimme in der Partei“, sagte er. In seiner Annahmerede kündigte er zudem an, Ziel bleibe die Regierungsbeteiligung: „Wir wollen regieren. Wir werden regieren, zuerst in einem Land, dann im Bund“. Höcke selbst hatte den Parteitag als thüringischer Landesvorsitzender eröffnet.
Zehntausende bei Gegenprotesten
Rund um die Messe blockierten Demonstrantinnen und Demonstranten am Morgen mehrere Zufahrten und Abschnitte der A71. Die Polizei sprach am Mittag von etwa 20.000 Teilnehmenden, das Bündnis „Widersetzen“ allein an den Blockaden von mehr als 17.000, wie die taz aus Erfurt berichtet. Erwartet worden waren im Vorfeld bis zu 50.000 Menschen. Um die Blockaden zu umgehen, waren nach Angaben der Volksstimme bereits um fünf Uhr morgens rund 540 Delegierte in der Halle - transportiert in Bussen unter Polizeischutz. Die Sitzung begann pünktlich um 10.05 Uhr.