Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Freitagvormittag im Kanzleramt Philipp Amthor als neuen Staatsminister für Bund-Länder-Koordination präsentiert. Der 33-jährige CDU-Politiker wechselt aus dem Digitalministerium in die Berliner Regierungszentrale und ersetzt dort Michael Meister. Die formelle Ernennung ist nach Angaben aus dem Kanzleramt für den kommenden Mittwoch vorgesehen, die Vereidigung im Bundestag soll in der ersten Sitzungswoche im September folgen.
Merz begründete die Personalentscheidung mit den Anforderungen des Amtes und der Persönlichkeit des Neuen. Amthor sei „ein guter Politiker und Parlamentarier, aber auch ein hervorragender Jurist. Genau das, was hier gebraucht wird“, sagte der Kanzler laut Tagesspiegel bei der Vorstellung des Kabinettsumbaus. Er verwies auf Amthors Vernetzung in alle 16 Staatskanzleien der Länder. Als Parlamentarischer Staatssekretär beim Digitalminister hatte sich der Mecklenburg-Vorpommer seit Mai 2025 auf den Bürokratieabbau konzentriert.
Hintergrund des Postenwechsels ist nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur die zunehmende Unzufriedenheit der Landesregierungen mit der Abstimmung zwischen Bund und Ländern. Die Ministerpräsidentenrunden hatten in den vergangenen Monaten wiederholt beklagt, dass Bundesgesetze ohne belastbare Rückkopplung mit den Ländern durchgezogen würden. Amthors Vorgänger Meister galt in Länderkreisen als glücklos in dieser Vermittlerrolle.
Diese Regierung kann Effizienzen heben.
Amthor selbst dankte Merz für das Vertrauen und sprach von einer „großen gesamtstaatlichen Aufgabe“. Die Koordination zwischen Bund und Ländern werde in den kommenden Jahren „Effizienzen heben“ können, sagte er nach Angaben des Nordkuriers. Der Jurist hatte bereits im Bundesvorstand der CDU als Mitgliederbeauftragter Erfahrung mit der Partei-internen Länderarbeit gesammelt.
Zustimmung aus Schwerin, Kritik aus konservativen Kreisen
Aus Mecklenburg-Vorpommern kam umgehend Zustimmung. Der CDU-Landesvorsitzende Daniel Peters gratulierte Amthor „herzlich zu dieser verantwortungsvollen Aufgabe“ und erklärte in einer Mitteilung des Landesverbands: „Dass der neue Bund-Länder-Koordinator einer von uns ist, kann dem Land nur nützen!“ Peters bezeichnete Amthor als „klugen, verlässlichen und außerordentlich effektiven Politiker“ und wertete die Berufung als Stärkung der politischen Mitte.
Deutlich kritischer fielen die Reaktionen im konservativen Meinungsspektrum aus. Das Portal Tichys Einblick kommentierte Amthors Beförderung als Belohnung für „eifriges Applaudieren“ und ordnete den 33-Jährigen der „Garde der Untertänigen“ um Merz zu. Auch t-online zitierte Unions-Insider, die den Zeitplan der Kabinettsvorstellung als „planlos“ und „chaotisch“ beschrieben - vor allem, weil im Verkehrsministerium der designierte Schnieder-Nachfolger Fritz Güntzler in der Nacht abgesagt hatte.
Für Amthor bedeutet der Wechsel den bisher deutlichsten Karriereschritt seit seinem Einzug in den Bundestag 2017. Der Jurist aus Torgelow saß zuletzt für den Wahlkreis Mecklenburgische Seenplatte I - Vorpommern-Greifswald II im Parlament und leitete die CDU-Landesgruppe. Ob er das Bundestagsmandat und die Landesgruppenleitung mit der neuen Rolle im Kanzleramt vereinbaren kann, ließ die Union am Freitag offen.