Ein Strandkorb aus Usedom hat Philipp Amthor am Wochenende erst in die Instagram-Kommentarspalten und dann in die Bundespressekonferenz gebracht. Der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer bestätigte am Montag in Berlin, dass der 33-jährige Kanzleramts-Staatsminister das Möbelstück privat gekauft, Lieferung und Aufbau selbst bezahlt und nach der Kritik entschieden habe, es wieder abbauen zu lassen. Der Strandkorb sei bereits „auf dem Rückweg nach Mecklenburg-Vorpommern“, zitiert die Berliner Zeitung Meyer.
Ausgelöst hatte die Debatte eine Szene aus der zweiten Staffel der ZDF-Dokureihe „Inside CDU“, die seit dem 22. September in der Mediathek verfügbar ist und die wir vergangene Woche bereits im Kontext von Amthors ZDF-Doppelauftritt eingeordnet haben. Die Kamera begleitet den Staatsminister auf den Balkon vor seinem Kanzleramtsbüro, wo Handwerker den Korb absetzen. „Ja, das sieht doch super aus“, sagt Amthor. In derselben Folge erklärt Kanzler Friedrich Merz, mit „Work-Life-Balance“ und „Vier-Tage-Woche“ sei die Lage im Land „nicht zu schaffen“ - eine Aussage, die die Gegenüberstellung besonders scharf zeichnet.
Ja, das sieht doch super aus.
Die Reaktionen setzten am Wochenende ein. Ein einzelner Instagram-Post der ZDFheute-Redaktion zu dem Ausschnitt sammelte bis Sonntagabend über 1.600 Kommentare, dokumentierte das Portal watson. Nutzer sprachen von „spätrömischer Dekadenz im Endstadium“, KI-Videos zeigten Amthor als Sonnenkönig Ludwig XIV. Auch aus der eigenen Partei kam Spott: Der CDU-Politiker Christopher Pietsch zog auf X die Parallele zum französischen Absolutisten. Für die ostdeutsche-allgemeine reichte der Auftritt, um Amthors Karriere insgesamt als „Realsatire“ zu rahmen.
1.590 Euro, hergestellt im Wahlkreis
Der Hersteller, ein Strandkorbbauer auf Usedom und damit in Amthors Bundestagswahlkreis Vorpommern-Rügen - Vorpommern-Greifswald I, sagte der Deutschen Presse-Agentur, es handele sich „wirklich um die einfachste und schlichteste Variante“. Preis nach Angaben des Betriebs: 1.590 Euro plus Versand. Amthor selbst hatte den Korb im Film als „sichtbares Symbol seiner Heimat im Kanzleramt“ beschrieben und mit Blick auf lange Sitzungstage betont, man dürfe „kein Drückeberger“ sein. Für den Blick vom Balkon zitierte er einen Fuchs, den er in der Dämmerung im Kanzleramtsgarten gesehen habe.
Der Rückzug kommt nur eine Woche nachdem Amthor nach der 4,9-Prozent-Wahlschlappe der Nord-CDU kommissarisch die Landespartei in Schwerin übernommen hat und damit zwei Rollen gleichzeitig ausfüllt. Die Regierung ließ am Montag offen, ob der leere Balkon nun zur Debatte um Amtsführung im Kanzleramt taugt. Meyer verwies auf die private Beschaffung und darauf, dass der Staatsminister die Kritik „ernst“ nehme. In den ZDF-Folgen, die den Aufstieg des jüngsten Kabinettsmitglieds nachzeichnen sollten, bleibt der Strandkorb-Auftritt das Bild, das hängen bleibt.