Der ZDF-Fernsehabend am Dienstag lief für Philipp Amthor ungewöhnlich dicht. Um 18 Uhr veröffentlichte der Sender in der Mediathek vier neue Folgen „Inside CDU“ (Staffel 2), um 20:15 Uhr strahlte er die ZDFzeit-Doku „Machtbeben: CDU im Abstiegskampf“ aus, und am Mittwochmorgen erschien auf zdfheute.de ein Portrait mit dem Titel „Aufstieg des Merz-Fanboys in der CDU“. Der 33-jährige Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit im Kanzleramt und seit Montag kommissarische CDU-Landeschef in Mecklenburg-Vorpommern steht damit binnen 24 Stunden dreifach im Rampenlicht des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.
„Machtbeben“ begleitet Amthor durch seinen Wahlkreis in Vorpommern. Vor der Kamera warnt er die eigene Partei vor einer Annäherung an die AfD - eine Position, die er nach dpa-AFX bereits am 6. September in einer ARD-Sondersendung zur sachsen-anhaltischen Landtagswahl zugespitzt hatte. „Diese Stärke der AfD führt nicht dazu, dass wir unser Verhältnis zur AfD zu relativieren haben, sondern es muss dazu führen, dass wir umso klarer dieser Politik entgegentreten“, sagte Amthor damals. Die CDU stehe „für eine Politik der Menschlichkeit“, die AfD „für das Gegenteil davon“.
Diese Stärke der AfD führt nicht dazu, dass wir unser Verhältnis zur AfD zu relativieren haben, sondern es muss dazu führen, dass wir umso klarer dieser Politik entgegentreten.
Der Auftritt in den Dokus fällt zeitlich zusammen mit einem Karriere-Sprung, den Amthor eher unfreiwillig antreten musste. Nach dem 4,9-Prozent-Absturz der Nord-CDU am Sonntag zog Landesvorsitzender Daniel Peters am Montagabend die Konsequenzen; Amthor rückte kommissarisch an die Spitze, wie wir am Montag berichteten. Bis zu einem Landesparteitag Anfang 2027 muss er einen Landesverband, der erstmals nicht mehr dem Schweriner Landtag angehört, aus dem Berliner Kanzleramt heraus reorganisieren.
In der Personaldebatte um Kanzler Friedrich Merz hatte Amthor bereits am Wahlabend im ZDF Position bezogen. Die „schwierigen Personaldiskussionen auch der letzten Wochen“ hätten den Wahlkampf „sehr stark überlagert“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa zufolge; es sei „gut und richtig“, dass sie jetzt nicht fortgesetzt würden: „Auf ihnen liegt kein Segen.“ Die Formulierung tauchte am Montag nahezu wörtlich in der gemeinsamen Erklärung der acht CDU-geführten Länderchefs für Merz wieder auf.
Ostdeutsche Stimme, Bundesämter
Das zdfheute-Portrait der Autorin Denise Jacobs zeichnet Amthor als jüngsten und derzeit mächtigsten Vertreter einer ostdeutschen Nachwuchsriege innerhalb der Union. „Wichtig ist, dass Diskussionen über Ostdeutschland auch aus einem Selbstbewusstsein von Ostdeutschen und mit ostdeutschen Stimmen geführt werden“, zitiert der Sender den Kanzleramts-Staatsminister. Alisha Mendgen vom „Focus“ ordnet dessen politisches Kapital ein: „Weil er vorweisen kann: Ich war Bund-Länder-Koordinator, ich weiß, wie man mit den Ländern umzugehen hat.“ 2020 hatte die Affäre um Lobbyarbeit für das US-Startup Augustus Intelligence Amthors Weg an die Landes-CDU-Spitze zunächst blockiert; seither arbeitete er sich über Zwischenstationen als CDU-Mitgliederbeauftragter und Parlamentarischer Staatssekretär zurück ins Zentrum. Ob die neue Doppelrolle in Kanzleramt und Nord-CDU trägt, dürfte sich in den kommenden Monaten in Schwerin entscheiden - nicht in der Mediathek.