Annalena Baerbock bleibt nach dem Ende ihrer UN-Amtszeit in New York. Die Grünen-Politikerin wird im Herbst Professorin für Global Leadership an der Columbia University, wie zuerst Table.Briefings berichtete und die Deutsche Presse-Agentur aus informierten Kreisen bestätigte. Ihre einjährige Amtszeit als Präsidentin der 80. UN-Generalversammlung endet offiziell am 8. September; die 81. Sitzungsperiode übernimmt der Bangladescher Khalilur Rahman.
An der New Yorker Elite-Universität übernimmt Baerbock laut Berliner Zeitung eine auf drei Jahre angelegte Stelle als „Professor of Professional Practice“ und wird zugleich Co-Direktorin des Masterprogramms „Master of Public Administration in Global Leadership“. Anders als eine Forschungsprofessur richtet sich der Titel an Persönlichkeiten mit langjähriger Praxiserfahrung; ein akademischer Werdegang ist keine Voraussetzung. Das Programm bildet nach Angaben des Tagesspiegels Führungskräfte mit mindestens zehn Jahren Berufserfahrung für Karrieren in Regierungen, internationalen Organisationen, Wirtschaft, Journalismus und Recht aus.
Karenzzeit abgelaufen, Vorbild Hillary Clinton
Rechtliche Hürden bestehen für den Wechsel nicht. Die 18-monatige Karenzzeit für ehemalige Bundesministerinnen und -minister ist längst abgelaufen, eine Zustimmung der Bundesregierung ist damit nicht erforderlich. Baerbock hatte das Auswärtige Amt im Mai 2025 verlassen und wurde am 4. Juni 2025 zur Präsidentin der UN-Generalversammlung gewählt. Der Wechsel an Columbia folgt einem prominenten Muster: Auch die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton lehrte dort als „Professor of Professional Practice“, wie der Tagesspiegel berichtet.
Baerbocks Präsidentschaft in New York verlief nicht ohne Reibungen. In der Auseinandersetzung um die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres warfen ihr Delegationen aus den USA und Russland vor, das Verfahren zu weit an sich zu ziehen. Zu ihren jüngsten Auftritten zählte am 19. August ein Kandidaten-Dialog mit dem Ugander Olara Otunnu, einem der Bewerber um den Posten des Generalsekretärs. Guterres scheidet Ende 2026 nach zwei Amtsperioden aus.
Die Universität, an die Baerbock wechselt, steht seit Anfang 2024 unter politischem Druck. Pro-palästinensische Proteste hatten den Campus über Wochen geprägt; die Trump-Regierung strich der Hochschule daraufhin Fördermittel in Höhe von rund 400 Millionen Dollar, weil sie das Vorgehen gegen antisemitische Vorfälle für unzureichend hielt. Ob Baerbock nach der Amtszeit in New York wieder nach Berlin zurückkehrt, hat die 45-Jährige bislang offengelassen.