Annalena Baerbock hat am Dienstag in New York den Vorsitz der UN-Generalversammlung nach einem Jahr an ihren Nachfolger übergeben. Kurz vor Beginn der Generaldebatte reichte die ehemalige deutsche Aussenministerin den Zeremonialhammer an Khalilur Rahman weiter, den amtierenden Aussenminister von Bangladesch. Rahman war bereits im Juni von der Vollversammlung gewählt worden und tritt nun offiziell die 81. Sitzungsperiode an.

In ihrer Abschiedsansprache warb Baerbock erneut für eine tiefgreifende Reform der Vereinten Nationen. „Die Reform ist mehr als überfällig“, sagte die Grünen-Politikerin nach Angaben von ZDFheute mit Blick auf Sicherheitsrat, Verwaltung und Finanzierung des Systems. Zugleich verteidigte sie die Institution: Trotz aller Schwächen gebe es „keine Alternative zu den Vereinten Nationen“.

Die Reform ist mehr als überfällig.
- Annalena Baerbock, scheidende Präsidentin der UN-Generalversammlung

Der 72-jährige Rahman ist seit Februar 2026 Aussenminister der Übergangsregierung in Dhaka und gilt als erfahrener Diplomat, der viele Jahre für die UN gearbeitet hat, unter anderem bei den Vermittlungsbemühungen um die Rohingya-Flüchtlinge. In der Wahl im Juni hatte er sich mit 99 Stimmen gegen den zyprischen Diplomaten Andreas Kakouris durchgesetzt, der auf 91 Stimmen kam. Rahman kündigte in seiner Antrittsrede nach Angaben von ZDFheute an, sich auf die Reform der UN-Friedensmissionen, die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele, die Rechte von Frauen und Mädchen sowie die Unterstützung der ärmsten Länder zu konzentrieren. Er versprach zudem, das Amt „Vollzeit“ auszufüllen.

Umstrittene Wahl, symbolische Bilanz

Baerbocks Amtszeit war im Sommer 2025 mit einem klaren Wahlergebnis gestartet, aber begleitet von russischer Kritik und einer breiten Debatte in Deutschland über ihre Doppelrolle als Ex-Ministerin. Sie hatte den Posten übernommen, nachdem die Ampelkoalition zerbrochen war und die neue Regierung unter Friedrich Merz (CDU) das Auswärtige Amt neu besetzte. In der Bilanz ihrer Präsidentschaft dominierten symbolische Vorstösse, etwa zu Menschenrechten und Multilateralismus, konkrete Reformbeschlüsse blieben aus.

Die Übergabe fällt in eine Woche, in der die Vereinten Nationen einen Kandidaten für den nichtständigen Sitz Deutschlands im Sicherheitsrat wählen. Die Bundesregierung wirbt seit Monaten für einen Platz, konkurriert aber mit anderen Bewerbern. Beobachter erwarten die Abstimmung in den kommenden Tagen im Rahmen der Generaldebatte, an der Regierungschefinnen und Regierungschefs aus aller Welt teilnehmen.