Berlin nimmt seine Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele zurück, zwei Tage bevor der Deutsche Olympische Sportbund am Samstag in Baden-Baden über die deutsche Kandidatur entscheidet. Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) und Olympia-Beauftragter Kaweh Niroomand verkündeten den Rückzug am Donnerstagvormittag auf einer Pressekonferenz im Roten Rathaus. Berlin hatte gemeinsam mit Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern unter dem Titel Berlin+ für 2036, 2040 oder 2044 kandidiert.
„Heute ist ein trauriger Tag für Berlin“, sagte Wegner. „Olympische und Paralympische Spiele wären eine Riesenchance für Berlin und für Ostdeutschland gewesen.“ Die DOSB-Evaluierungskommission hatte die Hauptstadt am Dienstag mit 74,6 von 100 Punkten hinter München (87 Punkte) und der Rhein-Ruhr-Region (85 Punkte) auf den dritten Rang gesetzt, wie die Sportschau unter Berufung auf rbb-Informationen berichtet. Anders als die beiden Konkurrenten hatte Berlin auf einen Bürgerentscheid verzichtet - ein Punkt, den die Kommission besonders schwer gewichtet habe.
Innerhalb von 45 Sekunden hat sie die ganze Bewerbung vom Tisch gewischt und dadurch eine enorme Verunsicherung unter die Verbände gebracht.
Wahlsiegerin Eralp hatte Bewerbung abgeräumt
Ausschlaggebend für den Rückzug war der Ausgang der Berlin-Wahl vom 20. September. Die Linke hatte mit 25,7 Prozent überraschend als stärkste Kraft abgeschnitten; Spitzenkandidatin Elif Eralp, die als voraussichtlich nächste Regierende Bürgermeisterin gilt, hatte einen Tag später erklärt, die Entscheidung gegen Olympia sei gefallen. Niroomand kritisierte diesen Auftritt gegenüber t-online scharf: „Wenn das der neue Stil ist, wie man mit Menschen umgeht, die anders denken, und sich so respektlos anderen Menschen gegenüber verhält, die vielleicht eine andere Meinung haben, dann halte ich das für eine sehr gefährliche Entwicklung.“
DOSB-Präsident Thomas Weikert nannte den Rückzug ein „großes Zeichen von Fairness und Respekt“. Es unterstreiche, dass es den Verantwortlichen in der Hauptstadt vor allem darum gehe, die Spiele endlich wieder nach Deutschland zu holen. Die DOSB-Mitgliederversammlung am Samstag in Baden-Baden entscheidet damit nur noch zwischen München und der Rhein-Ruhr-Region. Das Internationale Olympische Komitee wählt den Gastgeber Mitte 2029.
Für die Hauptstadt ist es der zweite deutsche Olympia-Rückzug binnen weniger Monate. Hamburg hatte Ende Mai im Volksentscheid mit 54,9 Prozent gegen eine Bewerbung gestimmt; Bürgermeister Peter Tschentscher zog den Antrag damals noch am Wahlabend beim DOSB zurück. Die Bewerbungskosten für die aktuelle Berliner Runde beziffern die Verantwortlichen laut ZDFheute auf bis zu sechs Millionen Euro.