Nach der Auszählung der Zweitstimmen steht das vorläufige amtliche Endergebnis der Berliner Abgeordnetenhauswahl fest: Die Linke kommt auf 25,7 Prozent und ist damit erstmals in der Geschichte der Hauptstadt stärkste Kraft im Landesparlament. Die CDU von Spitzenkandidat Stefan Evers landet bei 18,8 Prozent, die AfD bei 16,3, die Grünen bei 14,3 und die SPD mit 12,1 Prozent auf einem historischen Tiefstand. Das BSW verpasst mit 4,7 Prozent den Einzug, die FDP bleibt bei 2,5 Prozent.
Wie wir am Wahlabend berichteten, hatten die ersten Prognosen die Linke bereits klar in Führung gesehen. Die endgültigen Zahlen fallen für Spitzenkandidatin Elif Eralp sogar noch besser aus als die Erhebungen von ARD und ZDF um 18 Uhr. Das bisher beste Ergebnis ihrer Partei bei einer Wahl zum Berliner Landesparlament hatte die damalige PDS im Jahr 2001 mit 22,6 Prozent erreicht, wie der Tagesspiegel einordnet.
Am späten Abend trat Eralp im Kreuzberger Festsaal vor Anhängerinnen und Anhänger und griff sofort nach der Regierung. „Ab heute verändern wir gemeinsam unser Berlin und machen es zu einem besseren Ort“, sagte die 43-jährige Juristin laut ZDFheute. Mit Blick auf die AfD, die in einigen Ostberliner Bezirken erneut zweistellig zulegt, fügte sie hinzu: „In unserer Stadt hat die Liebe und die Gerechtigkeit über den Hass gewonnen.“ Die Linke werde am Freitag auf einem Parteitag über die Aufnahme von Sondierungsgesprächen entscheiden.
In unserer Stadt hat die Liebe und die Gerechtigkeit über den Hass gewonnen.
Rot-Grün-Rot rechnerisch möglich
Rechnerisch reicht es für zwei Dreierbündnisse. Nach Berechnung des Tagesspiegels kommen Linke, Grüne und SPD im neuen Abgeordnetenhaus zusammen auf 97 der 162 Sitze; für eine Mehrheit sind 82 nötig. Eine schwarz-grün-rote Koalition unter CDU-Führung käme auf 84 Sitze und bliebe damit ebenfalls regierungsfähig. Die Grünen-Landesvorsitzenden Nina Stahr und Philmon Ghirmai signalisierten am Wahlabend Bereitschaft zu einem Linksbündnis. „Berlin hat sich für einen politischen Wechsel entschieden und Schwarz-Rot klar abgewählt“, sagte das Duo laut Tagesspiegel und kündigte an, „Verantwortung übernehmen und ein progressives Bündnis für Berlin schmieden“ zu wollen.
Die SPD sortiert derweil das schlechteste Berliner Landesergebnis ihrer Nachkriegsgeschichte. „Die Enttäuschung ist riesig, das ist ein katastrophales Ergebnis für die Berliner SPD“, sagte Spitzenkandidat und Landeschef Steffen Krach im Willy-Brandt-Haus. „Wir sind abgewählt worden.“ Ob die SPD als Juniorpartner in ein Bündnis eintritt, wollen die Sozialdemokraten in den kommenden Tagen in Gremien beraten.
CDU verliert zweistellig
Für die CDU ist das Ergebnis der zweite schwere Rückschlag binnen zwei Wochen nach dem AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt. Bei der Wiederholungswahl im Februar 2023 hatte die Partei noch 28,2 Prozent geholt und mit Kai Wegner den Regierenden Bürgermeister gestellt. Nun verliert sie fast zehn Prozentpunkte. Evers räumte die Niederlage laut ZDFheute ein: Er nehme das Ergebnis „demütig“ an, seine Partei habe „heute deutlich verloren“. Bundeskanzler Friedrich Merz sprach im Konrad-Adenauer-Haus mit Blick auf beide Landtagswahlen von einem Ergebnis, das man nicht kleinreden könne. Die Wahlbeteiligung lag mit 73 Prozent deutlich über den 62,9 Prozent von 2023.