Der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hat am Donnerstag, einen Tag nach seiner Ernennung, das laufende Sanierungsprogramm der Deutschen Bahn öffentlich infrage gestellt. „Stand jetzt muss ich feststellen, dass die Korridorsanierungen nicht das Ergebnis gebracht haben, das man sich erhofft hat“, sagte der CDU-Politiker den Sendern RTL und ntv. Er wolle die Anzahl der Vollsperrungen und deren Auswirkung auf das Gesamtnetz „sehr genau anschauen“, bevor eine neue Bewertung erfolge. Am Nachmittag ist Bilger mit Bahnchefin Evelyn Palla zum Antrittsgespräch verabredet.

Bilger übernahm das Ressort am Mittwoch von Patrick Schnieder (CDU), mit dessen Amtsführung Kanzler Friedrich Merz nach Berichten mehrerer Medien unzufrieden war. Im ZDF-„heute journal“ räumte der neue Minister ein: „Man kann sicher sagen, dass es nicht rund lief.“ Er dämpfte die Erwartungen an einen schnellen Neustart: „Ich kann keine Wunder versprechen“, zitiert ihn der Sender. Die Priorität seiner Amtszeit sei die Pünktlichkeit im Fernverkehr - „gemeinsam mit der Bahn müssen wir daran arbeiten, dass wir schneller besser werden“, so Bilger im Frühstart von ntv und RTL laut Tagesspiegel.

Ich kann keine Wunder versprechen.
- Steffen Bilger, Bundesverkehrsminister, im ZDF-„heute journal“

Streit um den Sanierungsfahrplan

Die 2024 gestartete Korridorsanierung sollte 41 hochbelastete Streckenabschnitte in kompakten Vollsperrungen erneuern. Die bahneigene Infrastrukturgesellschaft DB Infrago hatte den Fahrplan in Abstimmung mit dem Bund zuletzt gestreckt: Statt Anfang der 2030er sollen die Arbeiten nun bis Mitte der 2030er abgeschlossen sein. Der Sanierungsstau im Netz beläuft sich nach Angaben des Verkehrsressorts weiterhin auf rund 130 Milliarden Euro. Bilger stellte klar, dass er bei weiter verfehlten Zeitplänen „vielleicht schon auch Konsequenzen daraus ziehen“ werde.

170 Milliarden aus dem Sondervermögen

Für das Ministerium sind aus dem im Frühjahr beschlossenen Infrastruktur-Sondervermögen rund 170 Milliarden Euro reserviert - eine Summe, die Bilger im ZDF als „große Veränderung“ bezeichnete. Rückenwind für seinen Antritt liefert die Bahn-Halbjahresbilanz: DB-Chefin Palla meldete für das erste Halbjahr 2026 rund 960 Millionen Fahrgäste im Personenverkehr, 17 Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum, und einen operativen Gewinn von 960 Millionen Euro. Bilger, 47, war von 2018 bis 2021 unter Andreas Scheuer Parlamentarischer Staatssekretär im gleichen Haus und zuletzt Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion.