Steffen Bilger soll neuer Bundesverkehrsminister werden. Bundeskanzler Friedrich Merz werde dem Bundespräsidenten den 47-jährigen CDU-Politiker als Nachfolger von Patrick Schnieder vorschlagen, teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Sonntagabend mit. Die Ankündigung um 19:37 Uhr beendet einen dreitägigen Zustand der Ungewissheit, den selbst Union-Politiker als beschädigend für die Regierungsarbeit bezeichnet hatten.
Schnieder hatte am Sonntag um seine eigene Entlassung gebeten. „Ich werde den Bundeskanzler bitten, dem Bundespräsidenten vorzuschlagen, mich aus dem Amt des Bundesministers für Verkehr zu entlassen“, erklärte er laut Deutscher Presse-Agentur. „Mit diesem Schritt ziehe ich die Konsequenzen aus den Entwicklungen der vergangenen Tage und will zugleich den unwürdigen Zustand beenden, der die notwendige sachliche Arbeit unmöglich macht.“ Im Interesse eines handlungsfähigen Ministeriums sei „eine schnelle und klare Nachfolgelösung zwingend notwendig“.
Mit diesem Schritt ziehe ich die Konsequenzen aus den Entwicklungen der vergangenen Tage und will zugleich den unwürdigen Zustand beenden, der die notwendige sachliche Arbeit unmöglich macht.
Güntzlers SMS um vier Uhr morgens
Der Kabinettsumbau war am Donnerstag ins Rutschen geraten. Wie t-online berichtet, hatte Merz Schnieder in einem Telefonat mitgeteilt, ihn zu entlassen; Grund sei die aus Sicht des Kanzlers stockende Arbeit im Ministerium, insbesondere beim Schienennetz. Der eigentlich vorgesehene Nachfolger Fritz Güntzler, CDU-Finanzpolitiker aus Niedersachsen, zog seine Zusage kurzfristig zurück: Um vier Uhr morgens habe er Merz per SMS abgesagt, so t-online, mit der Begründung, seine Kompetenz liege in Steuer- und Finanzpolitik, nicht im Verkehrsressort. Merz habe die Nachricht um sechs Uhr gelesen und Güntzler vergeblich am Telefon umzustimmen versucht.
Kornelius zitierte am Sonntag das Bedauern des Kanzlers, „dass der Amtswechsel wegen unvorhergesehener Umstände nicht wie geplant kommuniziert werden konnte“, wie der Tagesspiegel dokumentiert. In der Union hatte sich in den Stunden dazwischen Unmut angestaut. Ex-Kanzleramtschef Peter Altmaier bezeichnete den Umgang mit Schnieder öffentlich als „betroffen und wütend machend“; die Berliner Zeitung sprach in einer Analyse von einem „Debakel“. Auch CDU-Vize Christian Bäumler und Wolfgang Bosbach hatten den Personalstil des Kanzlers kritisiert.
Für Bilger ist es eine Rückkehr in vertrautes Terrain. Der Ludwigsburger sitzt seit 2009 im Bundestag, war von März 2018 bis Dezember 2021 Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium unter Andreas Scheuer und gilt in der Fraktion als „fachlich versiert“. Seit Mai 2025 führt er als Erster Parlamentarischer Geschäftsführer die Geschäfte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Vereidigt wird Bilger, wie die übrigen neu berufenen Kabinettsmitglieder, erst nach dem Ende der Sommerpause im September.