Die Bonner Nordbrücke wird nicht zurückkehren, jedenfalls nicht in ihrer bisherigen Form. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) erklärte am Freitag, dass die linksrheinische Vorlandbrücke der A565 abgerissen und neu gebaut werden muss. Die Detailprüfung nach der Vollsperrung am 3. Juni habe ein Schadensbild offengelegt, das eine Wiedereröffnung ausschließt.
„Das Schadensbild an der linksrheinischen Vorlandbrücke hat sich so verschlechtert, dass eine Öffnung der Brücke sowohl für den Lkw- als auch für den Pkw-Verkehr nicht mehr in Frage kommt“, zitierte das ZDF den Minister. Schnieder kündigte an, das Vergabeverfahren sofort zu starten. Der Abriss könne im Juli beginnen, der Neubau bis Ende 2028 für den Verkehr freigegeben werden.
Wie wir Anfang Juni berichteten, hatte die Autobahn GmbH die rund 1.290 Meter lange Friedrich-Ebert-Brücke am 3. Juni um 15 Uhr ohne Vorankündigung gesperrt, nachdem an der Vorlandbrücke neue Risse und Korrosionsschäden am Spannstahl festgestellt worden waren. Eine Woche später beschloss der Bonner Stadtrat per Dringlichkeitsentscheid kostenlosen ÖPNV bis Monatsende sowie zusätzliche Park-and-Ride-Plätze. Damals galt noch die Hoffnung, das Bauwerk lasse sich sanieren.
Zwei Jahre Umweg für 100.000 Fahrzeuge
Mit dem Abriss verlängert sich die Sperrung von einer Übergangslösung zu einer Dauerbaustelle. Vor dem 3. Juni rollten nach Angaben der Autobahn GmbH täglich rund 100.000 Fahrzeuge über die Brücke - sie war die zentrale Ost-West-Achse zwischen Bonn und dem rechtsrheinischen Umland. Der ADAC beziffert die jährlich anfallenden Umwege auf rund 50 Millionen Pkw- und 5,5 Millionen Lkw-Kilometer und schätzt den volkswirtschaftlichen Schaden auf über 170 Millionen Euro pro Jahr.
Bonns Oberbürgermeister Guido Déus (CDU) sprach von „einer schlimmen Botschaft für Bonn und die Region“. In der städtischen Pressemitteilung warnte er vor zwei bis drei Jahren erheblicher Verkehrsbelastung und forderte zusätzliche Mittel von Bund und Land, weil die Stadt die nötigen Begleitmaßnahmen nicht allein finanzieren könne. Immerhin: Die Radnutzung auf der Kennedybrücke ist nach Stadtangaben von 8.000 auf 19.000 Fahrten pro Tag gestiegen, der ÖPNV ist voll.
Eine schlimme Botschaft für Bonn und die Region.
Auch NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) reagierte. Es sei richtig gewesen, die Brücke zur Schadensaufklärung zu sperren, sagte Krischer dem Tagesspiegel. Die Entscheidung sei dennoch „ein Schlag für die gesamte Region“. Krischer verwies darauf, dass in Westdeutschland rund 2.500 Brücken in schlechtem Zustand seien - nirgendwo sonst sei die Sanierungslast so hoch.
Symbol des Wiederaufbaus, Symbol des Substanzverlusts
Die Friedrich-Ebert-Brücke war bei ihrer Eröffnung am 28. Juni 1967 ein Ingenieurmanifest. Sie gilt als erste moderne Schrägseilbrücke mit Mehrfach-Seilsystem, die Hauptöffnung misst 280 Meter, die Pylone sind 55 Meter hoch. Saniert wird nun nicht das Schrägseil-Hauptfeld über dem Rhein, sondern die 660 Meter lange Vorlandbrücke aus Spannbeton am linken Ufer - jener Abschnitt, der seit Jahren mit Rissen kämpft und seit Februar 2026 für Lkw über 7,5 Tonnen gesperrt war.
Für die Anwohner heißt das: Ausweichen nach Norden über die Rodenkirchener Brücke der A4, nach Süden über die Konrad-Adenauer-Brücke der A562 oder noch weiter zur Bendorfer Brücke der A48. Die Stadt prüft, ob das Gratis-Ticket über Juni hinaus verlängert wird. Schnieder sagte zu, Tempo zu machen. Ob 2028 zu halten ist, hängt davon ab, wie schnell der Abriss im Juli wirklich startet - und wie kooperativ die Bauindustrie reagiert.