An der Bonner Nordbrücke wird zurückgebaut. Seit Mittwoch vergangener Woche laufen an der linksrheinischen Vorlandbrücke der A565 die vorbereitenden Abrissarbeiten, wie die Autobahn GmbH und die Stadt Bonn mitteilten. Der Zuschlag für den Abbruch war Anfang Juli erteilt worden, den offiziellen Startschuss gab Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) in einer Erklärung des Ministeriums.

„Der Zuschlag für den Abbruch ist erteilt. Am 15.07. geht es los“, ließ Schnieder ausrichten. Er verband die Nachricht mit einer Zusage: „Wir setzen auf Tempo, damit diese wichtige Verkehrsader so schnell wie möglich wiederhergestellt wird.“ Der Neubau soll bis Ende 2028 stehen.

Wie wir am 19. Juni berichteten, hatte Schnieder die 660 Meter lange Spannbeton-Vorlandbrücke sechzehn Tage nach der Vollsperrung am 3. Juni für nicht mehr sanierungsfähig erklärt. Detailprüfungen hatten unter anderem Ermüdungsdefizite an Koppelfugen, hohen Chlorideintrag und Spanndrahtkorrosion mit einem Querschnittsverlust von bis zu 40 Prozent offengelegt. Ein Provisorium wurde verworfen, weil die Fertigung mehr als ein Jahr in Anspruch genommen hätte.

Blockweise Demontage bis Mitte November

Der eigentliche Rückbau ist für Anfang August geplant und soll bis Mitte November laufen. Nach Angaben der Autobahn GmbH wird das Bauwerk blockweise abgetragen. „Der Abriss wird mit leistungsfähiger Technik so zügig wie möglich durchgeführt“, erklärte Dirk Brandenburger von der Autobahn GmbH in der städtischen Pressemitteilung. Erhalten bleiben die 520 Meter lange Schrägseil-Strombrücke über den Rhein sowie die rechtsrheinische Vorlandbrücke - abgerissen wird nur der linksrheinische Teil aus dem Jahr 1967.

Die A565 bleibt bis zum Abschluss des Neubaus vollständig gesperrt. Vor der Sperrung Anfang Juni hatten nach Angaben der Autobahn GmbH täglich zwischen 90.000 und 100.000 Fahrzeuge das Bauwerk genutzt. Der ADAC modelliert die zusätzlichen Umwegkilometer auf rund 50 Millionen Pkw- und 5,5 Millionen Lkw-Kilometer pro Jahr und beziffert den volkswirtschaftlichen Schaden auf über 170 Millionen Euro jährlich.

Wir setzen auf Tempo, damit diese wichtige Verkehrsader so schnell wie möglich wiederhergestellt wird.
- Patrick Schnieder, Bundesverkehrsminister

Umleitung bleibt Dauerzustand

Für den Fernverkehr weist der ADAC weiter drei Ausweichrouten aus: nach Süden über die Konrad-Adenauer-Brücke der A562, nach Norden über die Rodenkirchener Brücke der A4 sowie großräumig über die Bendorfer Brücke der A48 in Rheinland-Pfalz. Die Anschlussstellen Bonn-Beuel und Bonn-Auerberg sind wieder geöffnet, das kostenlose ÖPNV-Angebot der Stadt Bonn lief zum 30. Juni aus. Weiter genutzt werden können die Park-and-Ride-Plätze am ehemaligen Landesbehördenhaus Gronau, an der Oberkasseler Straße 2 in Ramersdorf sowie auf der Festwiese Pützchens Markt.

Schnieder hatte in einem am Samstag verbreiteten dpa-Interview eingeräumt, dass Fälle wie in Bonn jederzeit an anderen Standorten wiederkehren könnten. „Die Brücke, die wir jetzt abreißen müssen, dieses Teilbauwerk, hat sich innerhalb weniger Wochen dramatisch verschlechtert“, sagte er dpa. Bis 2032 müssten allein im Kernnetz der Autobahnen rund 4.000 Brücken oder Teilbauwerke saniert oder neu gebaut werden. Der Ersatzneubau der Bonner Vorlandbrücke soll zunächst vier Fahrstreifen bekommen und später auf sechs erweitert werden können.