Eine Woche nach der Vollsperrung der Bonner Nordbrücke hat die Stadt am Montag das bislang sichtbarste Notpaket vorgestellt: Bus und Bahn im gesamten Stadtgebiet sollen bis Ende Juni kostenlos werden, vier zusätzliche Park-and-Ride-Plätze gehen in den nächsten Tagen ans Netz, die Adenauerallee wird vorübergehend wieder vierspurig befahrbar. Wie wir am 3. Juni berichteten, ist die A565-Rheinbrücke nach festgestellten Schäden am Tragwerk seit Mittwoch der vergangenen Woche dicht - betroffen sind nach ADAC-Zahlen rund 100.000 Fahrzeuge pro Tag.

Über das Maßnahmenpaket entscheidet der Bonner Stadtrat am Donnerstag, dem 11. Juni, per Dringlichkeitsbeschluss. Verkündet hat es Oberbürgermeister Guido Déus (CDU) bereits am Montag. „Die Sperrung der Nordbrücke stellt Bonn vor große Herausforderungen“, sagte Déus laut Radio Bonn. „Unser Ziel ist es jetzt, schnell, pragmatisch und flexibel zu handeln.“ Bestehende Abos sollen nicht erstattet werden; der kostenlose Tarif gilt zusätzlich und soll Pendlerinnen und Pendler aus dem Auto holen.

Unser Ziel ist es jetzt, schnell, pragmatisch und flexibel zu handeln.
- Guido Déus, Oberbürgermeister Bonn, gegenüber Radio Bonn

Auf den Pützchens-Markt-Wiesen läuft seit dem Wochenende ein Shuttle zur Ersatzhaltestelle Vilich der Stadtbahnlinie 66, drei weitere Park-and-Ride-Standorte sollen folgen: am Landesbehördenhaus mit Anschluss an die Olof-Palme-Allee, an der Oberkasseler Straße mit Verbindung zur Haltestelle Ramersdorf und am Telekom Dome auf dem Hardtberg. Die Adenauerallee, in den vergangenen Jahren auf zwei Spuren je Richtung zurückgebaut, soll für die Dauer der Brückensperrung wieder durchgängig vierspurig nutzbar sein; der Radverkehr wird parallel auf den Rheinuferweg und in die Kaiserstraße verlegt.

Erste Entlastung auf der A565

Bewegung gibt es auch auf der Autobahn selbst. Die Autobahn GmbH hat nach Angaben der Bonner Stadtverwaltung die A565-Anschlussstellen Bonn-Beuel und Bonn-Auerberg, die seit dem 3. Juni gesperrt waren, wieder geöffnet - eine erste Entlastung für die Innenstadt. Eine Antwort auf die Kernfrage, ob die Nordbrücke zumindest eingeschränkt freigegeben werden kann, gibt der Bundesbetrieb erst nach Abschluss der laufenden Tragwerksuntersuchungen. Die Stadt erwartet das Ergebnis nach Auskunft der Pressestelle in den kommenden zwei Wochen.

Am vergangenen Montag, dem ersten regulären Pendlertag nach der Sperrung, brauchten Autofahrende auf den Umleitungen in Richtung Bonn bis zu 50 Minuten länger, in der Gegenrichtung rund 30 Minuten, wie das Portal Verliebt in Köln meldet. Die Volt-Fraktion in der Region Köln-Bonn fordert vor diesem Hintergrund ein Gesamtkonzept und eine Aufstockung des SPNV im Rheintal. Auch der ADAC hat seinen Schaden nicht reduziert: Verkehrsexperte Roman Suthold beziffert die jährlichen Umwegkilometer auf 50 Millionen für Pkw und 5,5 Millionen für Lkw - rund 170 Millionen Euro volkswirtschaftlicher Schaden, sollten Beuel und Auerberg dauerhaft die einzige Erleichterung bleiben.

Bonn als Blaupause

Mit dem Schritt zum kostenlosen ÖPNV reiht sich Bonn ein in eine kurze Reihe deutscher Städte, die nach Notfällen den Tarif temporär ausgesetzt haben - eine Reaktion, die Verkehrsforschende seit dem 9-Euro-Ticket fordern, die in der Praxis aber selten umgesetzt wurde. Ob die Maßnahme reicht, um die täglichen Staus auf den verbliebenen Rheinquerungen Friedensbrücke, Kennedybrücke und Konrad-Adenauer-Brücke spürbar zu entlasten, dürfte sich in den kommenden Tagen zeigen. Klar ist: Der von der Autobahn GmbH zuletzt für die 2030er Jahre angekündigte Ersatzneubau bleibt das Fernziel. Bis dahin muss Bonn mit Pendeltaktiken über die Runden kommen.