Die A565-Rheinbrücke Bonn-Nord ist seit Mittwoch 15 Uhr voll gesperrt - bis auf Weiteres. Bei aktuellen Brückenprüfungen hat die Autobahn GmbH Schäden am Tragwerk der linksrheinischen Vorlandbrücke festgestellt, die nach Angaben des Bundesunternehmens „weitere Sicherungsmaßnahmen“ zwingend nötig machen. Betroffen ist die wichtigste Ost-West-Verbindung der Region Bonn/Rhein-Sieg, über die nach ADAC-Zahlen zuletzt rund 100.000 Fahrzeuge pro Tag rollten.

Die Friedrich-Ebert-Brücke, im Volksmund Nordbrücke, wurde 1967 für den Verkehr freigegeben. Bei Untersuchungen der vergangenen Jahrzehnte sind nach Angaben der Autobahn GmbH wiederholt Schäden dokumentiert worden, in Teilen der Konstruktion auch statische Probleme. Seit Februar galt deshalb ein Verbot für Lkw über 7,5 Tonnen sowie eine permanente Lastüberwachung. Die Maßnahmen reichten nicht, um eine weitere Verschlechterung des Tragwerks zu verhindern, wie der Bundesbetrieb am Mittwoch mitteilte.

Die Sicherheit der Menschen, die täglich über diese Brücke fahren, ist nicht verhandelbar.
- Dirk Brandenburger, Technischer Geschäftsführer Autobahn GmbH

Brandenburger kündigte detaillierte Untersuchungen an, die klären sollen, welche technischen Lösungen eine Wiederöffnung erlauben. Ein abschließendes Urteil sei erst nach Abschluss dieser Prüfungen möglich, bis dahin bleibe die Brücke gesperrt. Der geplante Ersatzneubau ist nach bisherigem Stand frühestens für die 2030er Jahre vorgesehen.

Umleitungen bis Köln und Königswinter

Die Sperrung trifft nicht nur die Brücke selbst. In Richtung Koblenz sind die A565 zwischen dem Dreieck Bonn-Nordost und dem Kreuz Bonn-Nord komplett dicht, die Übergänge von der A59 aus Köln und Königswinter entfallen, die Anschlussstellen Bonn-Beuel und Bonn-Auerberg sind geschlossen. In Gegenrichtung Siegburg gilt eine spiegelbildliche Vollsperrung zwischen Kreuz Bonn-Nord und Anschlussstelle Bonn-Beuel. Als Ausweichrouten verweist die Autobahn GmbH auf die Rodenkirchener Brücke der A4 bei Köln im Norden und die Konrad-Adenauer-Brücke der A562 im Süden - beide bereits stark ausgelastet.

Der ADAC hat die Folgen in einer Simulation vorgerechnet und kommt auf rund 50 Millionen zusätzliche Pkw-Kilometer und 5,5 Millionen Lkw-Kilometer Umweg pro Jahr. Den volkswirtschaftlichen Schaden beziffert der Automobilclub auf mehr als 170 Millionen Euro jährlich. Verkehrsexperte Roman Suthold sprach gegenüber dem ADAC von einer regionalen Katastrophe für das ohnehin überlastete Straßennetz im linksrheinischen Bonn und in der Eifel.

Erinnerungen an die Rahmedetalbrücke

Die Bilder aus Bonn wecken Erinnerungen an die Rahmedetalbrücke auf der A45 im Sauerland, die Ende 2021 wegen Rissen im Stahl kurzfristig gesperrt werden musste und seither saniert wird - mit jahrelangen Umwegen für Pendler und Spediteure. Auch in Dresden steht die Carolabrücke, die im September 2024 teilweise einstürzte, weiter als Mahnmal für den Sanierungsstau in der deutschen Brückeninfrastruktur. Die Bonner Vollsperrung reiht sich damit in eine Serie von Notmaßnahmen ein, die zeigen, dass die in den 1960er Jahren gebauten Rheinquerungen am Ende ihrer Lebensdauer angelangt sind.