Das Bündnis Sahra Wagenknecht ist wieder da, wo es vor einem Jahr noch kaum jemand erwartet hätte: im Landtag von Sachsen-Anhalt. Mit 5,3 Prozent zog das BSW am Sonntag ins Magdeburger Parlament ein und stellt dort künftig fünf Abgeordnete. In den ersten Hochrechnungen des ZDF hatte die Partei zwischenzeitlich noch zwischen 4,8 und 5,0 Prozent gelegen. Erst am späten Wahlabend war der Einzug gesichert.
Wagenknecht selbst erklärte am Sonntagabend: „Das Comeback des BSW hat begonnen!“ Nach dem Absturz in Thüringen und den Austritten in Brandenburg war das Ergebnis in Sachsen-Anhalt für die Parteigründerin die erste politische Genugtuung seit Monaten. Gegenüber der Bundestagswahl 2025, bei der das BSW in Sachsen-Anhalt noch 11,3 Prozent geholt hatte, ist der Einzug ins Landesparlament allerdings ein deutlicher Rückschritt.
Politisch entscheidend ist das Ergebnis dennoch. Die AfD von Ulrich Siegmund erreichte 43,8 Prozent und stellt 39 Abgeordnete, zwei Sitze fehlen ihr zur absoluten Mehrheit. CDU, SPD, Grüne und Linke kommen zusammen ebenfalls auf 39 Sitze, wie das Rechercheportal Correctiv am Sonntag vorrechnete. Damit halten die fünf BSW-Mandate rechnerisch den Schlüssel zur Regierungsbildung - und die Frage, ob Wittig ihre Fraktion in einer entscheidenden Ministerpräsidentenwahl in die Enthaltung schickt oder nicht.
„Überparteilicher Ministerpräsident“ statt Siegmund oder Schulze
Wittig, Historikerin und früheres Mitglied der Linken, hatte bereits im ZDF-Wahlspecial am Sonntagabend erklärt, für sie komme weder Siegmund noch der amtierende CDU-Ministerpräsident Sven Schulze in Frage. Stattdessen wirbt sie für einen „überparteilichen Ministerpräsidenten“ aus Kultur, Wissenschaft, Kirche oder Journalismus, wie sie es formulierte. Wechselnde Mehrheiten sollten das Land dann tragen.
Ich glaube, eine 40-Prozent-Partei kann man dann nicht einfach ausschließen.
Zugleich hält Wittig, wie zuvor bei TRT Deutsch dokumentiert, eine punktuelle Zusammenarbeit mit AfD-Abgeordneten für vertretbar. Eine Koalition mit der Partei Siegmunds schließt sie aus, „die Antwort war immer Nein“, bekräftigte sie ihre bisherige Linie gegenüber Correctiv. Auch BSW-Bundesvorsitzende Amira Mohamed Ali stellte am Sonntag klar, das Bündnis werde „Herrn Siegmund nicht wählen“.
Schulze wiederum, der am Sonntag mit der CDU auf ein historisches Tief von 17,2 Prozent gefallen war, versuchte Spekulationen über einzelne Überläufer aus seiner Fraktion sofort abzuräumen. „Es wird mit Sicherheit niemanden aus der CDU-Fraktion geben, der als Überläufer in Frage kommt“, sagte er am Montag laut Correctiv. Damit bleibt die Rechnung für Siegmund ohne die BSW-Enthaltung nicht zu machen - und mit ihr, wie Wittig im ZDF ausdrücklich betonte, bislang auch nicht: Zwei gleich starke Blöcke stünden sich gegenüber, eine Enthaltung des BSW im dritten Wahlgang führe rechnerisch nur in die Pattsituation.
Für das Land bedeutet das: Bis eine Mehrheit steht, führt die bisherige CDU-geführte Regierung die Geschäfte kommissarisch weiter, ohne Mehrheit für neue Gesetze. Die Sondierungen zwischen CDU, SPD, Grünen, Linken und BSW dürften in den kommenden Wochen zur zentralen Bühne werden, auf der Wagenknechts Comeback konkret wird - oder wieder verpufft.