Der Generalbundesanwalt in Karlsruhe wird die Ermittlungen zum Anschlag am Rande des Berliner Christopher Street Day übernehmen. Das kündigte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) am Sonntagnachmittag um 14.34 Uhr an, wie das Liveblog des Tagesspiegel dokumentiert. „Der Generalbundesanwalt wird die Ermittlungen übernehmen“, sagte Hubig. Zuvor lag das Verfahren bei der Berliner Generalstaatsanwaltschaft; die Übernahme durch Karlsruhe folgt der Einstufung als islamistischer Terroranschlag durch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU).

Wie wir bereits am Sonntagvormittag berichteten, sucht die Berliner Polizei mit Fahndungsfoto nach dem 21-jährigen Tatverdächtigen. Am Nachmittag wurden dazu Details bekannt, die den Fall über die Berliner Ebene hinausheben. Nach übereinstimmenden Berichten von Tagesspiegel, t-online und Freier Presse handelt es sich um Abdul Ballout, deutscher Staatsbürger mit libanesischer Herkunft, geboren 2005 in Deutschland. Ein Berliner Gericht hatte ihn am 12. Mai 2026 wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt - die Staatsanwaltschaft hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt und eine höhere, unbedingte Strafe gefordert. Eine Berufungsverhandlung war für November angesetzt.

Zur Vorgeschichte gehört nach Recherchen des Tagesspiegel, dass Ballout im Juni 2024 auf Instagram verbotene Propaganda des Islamischen Staats verbreitet und versucht haben soll, über den Libanon nach Syrien zum IS zu reisen. Er habe drei Monate in libanesischer Haft und sechs Monate in deutscher Untersuchungshaft verbracht. Erst am 3. Juli 2026 habe die Polizei seine Wohnung wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Waffengesetz durchsucht, dabei jedoch nur eine Spielzeugwaffe sichergestellt. Für den heutigen Montag war für Ballout laut Freier Presse der Beginn eines Deradikalisierungskurses vorgesehen.

Wir sind mehr, wir sind stärker und wir halten in unserem Land zusammen.
- Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), St. Marienkirche, 14.26 Uhr

Andacht in der Marienkirche

Um 14.26 Uhr trat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in der evangelischen Marienkirche am Alexanderplatz vor die Trauergemeinde. „Wir sind mehr, wir sind stärker und wir halten in unserem Land zusammen“, sagte er nach Angaben des t-online-Liveblog. „Lassen Sie sich, lassen wir uns nicht einschüchtern.“ Neben Merz nahmen Bildungsministerin Karin Prien (CDU) und Justizministerin Hubig an der ökumenischen Andacht teil, außerdem Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel sowie die muslimische Imamin Seyran Ates.

Der evangelische Bischof Christian Stäblein sprach vom Herzen der Stadt, das „Freiheit, Vielfalt, Achtung“ sei, wie evangelisch.de zitiert. An den Täter gerichtet sagte Stäblein: „Er wird es nicht erreichen.“ Gewalt im Namen der Religion nannte er „Gotteslästerung“. Imamin Ates erklärte, wer im Namen Gottes Hass auf Menschen predige, „weil sie lieben, missbrauche den Glauben“. Der Anschlag habe nicht nur einzelnen Menschen gegolten, sondern „der Freiheit, der Liebe und der Demokratie“.

Fahndung läuft weiter

Die Fahndung nach Ballout dauerte am Sonntagabend an. Nach Angaben der Berliner Polizei waren Spezialkräfte aus anderen Bundesländern und die GSG 9 im Einsatz; die Bundespolizei hatte die Kontrollen an der deutsch-dänischen Grenze bereits am Vormittag verschärft. Aus der Charité kam am Sonntag Entwarnung: Von den 29 Verletzten schwebe niemand mehr in Lebensgefahr. Eine Frau war in der Nacht zu Sonntag den Folgen der Attacke erlegen.

Am Abend führte ein zweiter Trauermarsch, ausgehend vom Nollendorfplatz, durch Schöneberg in Richtung Tiergarten - dorthin, wo am Samstagabend kurz vor der geplanten Abschlusskundgebung ein weißer Transporter in die Menschenmenge gerast war. Zum vorangegangenen Gedenken am Brandenburger Tor waren nach Tagesspiegel-Angaben bis zu 10.000 Menschen gekommen. Der Bundestag hat für Montag Trauerbeflaggung angeordnet.