Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat am Dienstag im Oberen Rathaussaal in Bremen die Absichtserklärung für den Ausbau Bremerhavens zur NATO-Drehscheibe unterzeichnet. Mit dabei: Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und BLG-Vorstandschef Matthias Magnor. Der Bund steckt 1,35 Milliarden Euro in das Vorhaben „Deployment Hub Bremerhaven 2031“, das Land Bremen legt 200 Millionen Euro dazu, weitere Mittel sollen private Investoren beisteuern.

„Das ist die größte Investition hier“, sagte Pistorius nach der Unterzeichnung. Bovenschulte kommentierte trocken: „Das wird nochmal eine richtige Herausforderung.“ Die Erklärung ist zwar nicht rechtsverbindlich, setzt aber den Rahmen für die weitere Planung. Bau- und Vergabeverfahren sollen zeitnah starten, die Fertigstellung ist für 2031 vorgesehen.

Was in Bremerhaven umgebaut wird

Das Investitionspaket umfasst Schwerlastbrücken, Umschlagsflächen an der Stromkaje, Verbindungskanäle mit Drehbrücke, Kajen im Innenhafen sowie Baggerungen. Am Flughafen werden Sicherheitssysteme aufgerüstet und die Start- und Landebahn für militärische Transportmaschinen verlängert. Auch Schienen- und Straßenanbindungen im Umland werden ausgebaut. Ziel ist es, im Verteidigungsfall Personal und Material der Bundeswehr sowie verbündeter NATO-Streitkräfte über den Hafen und den angeschlossenen Flughafen zügig auf den Kontinent zu bringen.

Bremerhaven soll damit ein zentraler Baustein des sogenannten OPLAN DEU werden, des nationalen Operationsplans für die Landes- und Bündnisverteidigung. Das Pentagon-nahe Konzept sieht vor, dass Deutschland als „Drehscheibe“ große Truppenverlegungen von westlichen Häfen an die NATO-Ostflanke ermöglicht.

Das ist die größte Investition hier.
- Boris Pistorius, Bundesverteidigungsminister, im Bremer Rathaus

Die BLG Logistics Group, an der das Land Bremen mehrheitlich beteiligt ist, übernimmt im Verbund mit der bundeseigenen Bremenports GmbH die Umsetzung. Für die Hansestadt ist der Auftrag ein wirtschaftlicher Anker: Der Überseehafen hatte in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren, weil Container-Umschläge nach Wilhelmshaven und Rotterdam abgewandert waren. Ein militärisch modernisierter Hafen sichert Arbeitsplätze und rechtfertigt Investitionen in die Infrastruktur, die zivil ebenfalls nutzbar bleibt.