Das Deutschlandticket wird zum 1. Januar 2027 spürbar teurer: Statt 63 kostet das bundesweit gültige Nahverkehrsabo dann 66,80 Euro pro Monat. Das entschied die Verkehrsministerkonferenz (VMK) am Mittwoch in Berlin. Die Erhöhung um 3,80 Euro entspricht rund sechs Prozent.
Es ist die erste Preisanpassung nach einem neuen Indexverfahren, das die Ressortchefs im März in Lindau einstimmig beschlossen hatten. Der Index bezieht Personal-, Energie- und allgemeine Betriebskosten des öffentlichen Nahverkehrs ein und soll künftig jedes Jahr über den Preis entscheiden. Angewendet wurde die Formel jetzt zum ersten Mal, wie Ingo Wortmann, Präsident des Verkehrsunternehmens-Verbandes VDV, in Berlin bestätigte.
Parallel steigen auch die verknüpften Angebote: Das Jobticket kostet ab Januar 63,46 Euro, das Semesterticket 40,08 Euro. Der Bundeszuschuss zur Finanzierung bleibt bei 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Nach Angaben aus der Branche nutzen derzeit mehr als 14 Millionen Menschen das Ticket, das im Mai 2023 mit einem Startpreis von 49 Euro eingeführt worden war.
Grüne und Verbraucherschützer kritisieren den Sprung
Aus den Ländern kam noch am Sitzungstag deutliche Kritik. Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) sagte, die Erhöhung sei „schade für den Erfolg dieses revolutionären Tickets“ und breche das Preisstabilitäts-Versprechen aus dem Koalitionsvertrag. Ramona Pop von der Verbraucherzentrale Bundesverband warnte in der „Rheinischen Post“ vor einer „automatisierten Preisspirale, an deren Ende für viele das Deutschlandticket kein attraktives Angebot mehr darstellt“.
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) verteidigte den Beschluss dagegen: Das Ticket bleibe „weiterhin ein sehr attraktives Angebot“ und ermögliche „hochwertige und klimafreundliche Mobilität im öffentlichen Personenverkehr“, zitierte ihn evangelisch.de. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) forderte ein Sozialticket für 29 Euro sowie zusätzliche 400 Millionen Euro pro Jahr von Bund und Ländern, um weitere Preissprünge zu verhindern. Greenpeace rechnete vor, dass sich das Ticket seit dem Start um 37 Prozent verteuert hat - der stärkste Anstieg eines vergleichbaren Nahverkehrsangebots in Europa.
Öffentlicher Nahverkehr ist gesellschaftliche Teilhabe, doch Bund und Länder machen ihn zum Verkehrsmittel zweiter Klasse.
Die Länder hatten in der Vergangenheit auf einen Automatismus gedrängt, um die jährlichen Verhandlungen mit dem Bund zu entschärfen. Die Finanzierung bis 2030 ist über das Regionalisierungsgesetz gesichert, doch die Höhe der Nutzerbeiträge lag bislang bei der VMK. Mit dem Preisindex verlagert sich diese Entscheidung erstmals aus der politischen Debatte in eine Formel - mit dem Nebeneffekt, dass die kommenden Erhöhungen ohne neuen Beschluss automatisch greifen.