Die Unionsfraktion im Bundestag hat am Montagabend eine neue Erste Parlamentarische Geschäftsführerin. Catarina dos Santos-Wintz wurde in der ersten Fraktionssitzung nach der Sommerpause mit 90,9 Prozent der Stimmen ins zweitwichtigste Amt hinter Fraktionschef Thorsten Frei gewählt. Die 32-jährige Juristin aus Aachen tritt die Nachfolge von Steffen Bilger an, der Anfang Juli als Verkehrsminister ins Kabinett Merz gewechselt war.
Vorgeschlagen hatte Frei sie bereits Mitte August, unmittelbar nach Bilgers Ressortwechsel. „Ich bin mir sicher, dass sie dieses wichtige Amt kraftvoll ausüben wird“, zitierten Berliner Zeitung und Handelsblatt den Fraktionsvorsitzenden damals. Er verwies auf ihre Erfahrung als eine von drei Parlamentarischen Geschäftsführerinnen der CDU, die sie seit der Bundestagswahl 2025 innehatte, sowie auf ihre Durchsetzungsfähigkeit.
Dos Santos-Wintz wurde 1994 in Lissabon geboren und wuchs in Eschweiler bei Aachen auf. Sie studierte Jura in Köln mit Schwerpunkt Steuerrecht und arbeitete bis 2023 in einer Kanzlei für Unternehmensnachfolge. Seit 2021 sitzt sie im Bundestag, im Februar 2025 gewann sie den Wahlkreis Aachen II mit 40,1 Prozent gegen die SPD-Kandidatin Claudia Moll. In der Fraktion arbeitet sie zu Außen- und Europapolitik sowie zu Digitalthemen.
Bouffier rückt nach
Zeitgleich mit der Wahl dos Santos-Wintz' rückte Frederik Bouffier in die Fraktionsspitze auf. Der 35-jährige CDU-Abgeordnete aus dem Wahlkreis Gießen-Alsfeld übernimmt den frei gewordenen Posten als einer von drei Parlamentarischen Geschäftsführern. Bouffier ist Sohn des früheren hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier und sitzt seit der Wahl 2025 im Bundestag, davor war er hessischer Landtagsabgeordneter.
Frei begründete den Vorschlag im August damit, Bouffier verfüge „bereits über einen großen Erfahrungsschatz auf allen politischen Ebenen“, wie die Hessenschau berichtete. Der Fraktionschef lobte dessen lösungsorientierte Arbeitsweise. Bouffier hat sich in der laufenden Legislatur vor allem in der Innenpolitik profiliert.
Frei erst seit Juli im Amt
Die Personalie ist die erste größere Weichenstellung des neuen Fraktionsvorsitzenden. Frei war Ende Juli zum Nachfolger von Jens Spahn gewählt worden, der nach Berichten über die Nutzung einer Leihmutter in den USA seinen Rückzug erklärt hatte. Mit dos Santos-Wintz zieht damit die jüngste Frau in der Führungsebene der Unionsfraktion in den engsten Zirkel um Frei. Der SMS-Vorschlag an die Abgeordneten im August war die erste Personalentscheidung, die Frei nach seinem Amtsantritt öffentlich traf.